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Hückelhoven präsentiert eigenes Mineralwasser aus einer jahrtausendealten Tiefenquelle

Hückelhoven-Baal

29 Jahre nach der Schließung der Zeche präsentiert Hückelhoven einen neuen, außergewöhnlichen Bodenschatz: Unter dem Namen HÜ2O bringt die Stadt ihr eigenes Mineralwasser auf den Markt. Das Wasser stammt aus der Quelle „Eyfalia“ auf dem Firmengelände der DICO Drinks GmbH in Baal. Abgefüllt wird es in modernen 0,25-Liter-Dosen. Seine Premiere feiert HÜ2O bei den Picknick-Konzerten in der HÜ-Arena.

 

Das Tiefenquellwasser ist nach bisherigen Untersuchungen mindestens 11.000 Jahre alt. Möglicherweise lagert es sogar seit bis zu 200.000 Jahren im Untergrund. Eine weiterführende Altersanalyse soll darüber genaueren Aufschluss geben. Aus mehreren wasserundurchlässigen Tonschichten gefördert, zeichnet sich das Wasser nach Angaben des Unternehmens durch seine ursprüngliche Reinheit, eine ausgewogene Mineralisierung und einen niedrigen Natriumgehalt aus.

HÜ2O ist frei von Pestiziden und radioaktiven Substanzen. Es wurde außerdem als geeignet für eine natriumarme Ernährung sowie für die Zubereitung von Säuglingsnahrung eingestuft. Nach umfangreichen Prüfungen erhielt das Wasser in diesem Jahr die amtliche Anerkennung als natürliches Mineralwasser.

Zweiter Brunnen sollte Wachstum absichern
Die Geschichte von HÜ2O begann nicht mit der Idee, eine eigene Getränkemarke für Hückelhoven zu schaffen. Ausgangspunkt war vielmehr der steigende Wasserbedarf von DICO Drinks. Geschäftsführer Martin Gockel erklärt, dass das Unternehmen im Jahr 2022 rund 400 Millionen Dosen mit einer durchschnittlichen Füllmenge von 0,4 Litern produzierte. Allein für die Getränke wurden damit etwa 160 Millionen Liter Wasser benötigt.

Hinzu kommt der Wasserverbrauch für die betrieblichen Abläufe. Wasser wird unter anderem für die Reinigung der Anlagen, die Wasseraufbereitung, die Pasteurisierung und die Kühlung benötigt. In der Getränkeindustrie wird dafür laut Gockel mit einem zusätzlichen Wasserfaktor von etwa 0,6 gerechnet. Der gesamte Bedarf lag damit bei ungefähr 256 Millionen Litern pro Jahr.

Da der Fünfjahresplan des Unternehmens ein Wachstum auf bis zu eine Milliarde Abfüllungen vorsah, konnte der bestehende Brunnen den prognostizierten Bedarf langfristig nicht decken. Die Bohrung eines zweiten Brunnens war deshalb eine logische Folge der Mengenplanung.

Der alte Brunnen reicht rund 100 Meter tief. Seine Wasserqualität war für die Getränkeherstellung ohne entsprechende Aufbereitung jedoch nur bedingt geeignet. Zudem genügte das Wasser nach Angaben des Geschäftsführers nicht den hohen Qualitätsansprüchen großer Markenkunden. Vor der neuen Bohrung beauftragte DICO Drinks deshalb die AHU GmbH mit einer geologischen Untersuchung des Firmengeländes.

Mehrere Tonschichten schützen das Wasser
Die Untersuchung brachte besondere geologische Verhältnisse ans Licht. In tieferen Erdschichten, voneinander getrennt durch mehrere Tonschichten, vermuteten die Fachleute ein bislang ungenutztes Wasservorkommen. Probebohrungen bestätigten schließlich, dass sich dort äußerst reines Tiefenquellwasser befindet.

Die Tonschichten wirken wie natürliche Barrieren und schützen das Wasser vor äußeren Einflüssen. Während es über Jahrtausende durch die Gesteinsschichten wanderte, nahm es Mineralstoffe und Spurenelemente auf. Gleichzeitig blieb es von modernen Umweltbelastungen weitgehend abgeschirmt. Daraus ergeben sich die besondere Reinheit und die charakteristische Mineralstoffzusammensetzung von HÜ2O.

„Das Wasser ist von besonderer Reinheit, mit einer ausgewogenen Mineralisierung und geringem Natriumgehalt“, sagt Gockel. Nach den vorliegenden Untersuchungen ist es frei von Pestiziden und radioaktiven Substanzen. Seine hohe Qualität werde auch dadurch deutlich, dass es zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwendet werden dürfe.

Das Alter des Wassers wurde bereits mit mindestens 11.000 Jahren bestätigt. Einzelne Altersparameter lassen nach Angaben des Unternehmens sogar die Annahme zu, dass es bis zu 200.000 Jahre alt sein könnte. DICO Drinks hat daher eine aufwendige Analyse in Auftrag gegeben. Das genaue Ergebnis steht noch aus.

Aufwendiger Weg zur amtlichen Anerkennung
Bevor ein Wasser als natürliches Mineralwasser verkauft werden darf, muss es ein strenges amtliches Anerkennungsverfahren durchlaufen. Dabei werden unter anderem Herkunft, Reinheit, mikrobiologische Beschaffenheit und Mineralstoffzusammensetzung untersucht. Anders als gewöhnliches Trink- oder Tafelwasser darf natürliches Mineralwasser nur sehr eingeschränkt behandelt werden. Seine ursprünglichen Eigenschaften sollen weitgehend erhalten bleiben.

Das Zertifizierungsverfahren für HÜ2O nahm einige Zeit in Anspruch. Zusätzlichen Abstimmungsbedarf gab es laut Gockel durch eine neue Zuständigkeitsregelung zwischen Bezirks- und Kreisverwaltung. Dadurch seien mehrere Rückfragen entstanden. Grundsätzliche Schwierigkeiten habe es jedoch nicht gegeben. Vielmehr hätten die beteiligten Behörden das Projekt konstruktiv begleitet.

An dem Verfahren waren unter anderem die Bezirksregierung Köln, der Kreis Heinsberg mit Gesundheitsamt und Unterer Naturschutzbehörde, der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen sowie der Erftverband beteiligt. Fachliche Unterstützung erhielt DICO Drinks außerdem von der AHU GmbH. Gockel betont die Bedeutung des Projekts für das Unternehmen und die gesamte Region und bedankt sich bei allen beteiligten Stellen für die Zusammenarbeit.

Mit der in diesem Jahr erteilten Anerkennung darf das Wasser nun offiziell als natürliches Mineralwasser angeboten werden. Für Verbraucher bedeutet dies, dass seine Qualität regelmäßig kontrolliert werden muss. Mineralwasser gehört zu den besonders streng überwachten Lebensmitteln.

Mineralstoffe prägen den Geschmack
Als Braumeister beschäftigt sich Gockel seit vielen Jahren mit der Bedeutung von Wasser für die Getränkeherstellung. Besonders beim Bier beeinflussen die gelösten Mineralstoffe den Geschmack, die Charakteristik und teilweise auch die Haltbarkeit. Je nach Biersorte wird Brauwasser deshalb gezielt aufbereitet.

Bei natürlichem Mineralwasser ist das anders. „Wir möchten die Reinheit und die besonderen Eigenschaften aus den unterirdischen Wasservorkommen beibehalten“, erklärt Gockel. Eine Aufbereitung sei nicht erwünscht und bei natürlichem Mineralwasser gesetzlich nur in engen Grenzen zulässig. Die Verbraucher erhielten das Wasser deshalb in seiner ursprünglichen Form.

HÜ2O zeichnet sich nach Angaben des Unternehmens besonders durch seinen niedrigen Natriumgehalt und ein günstiges Verhältnis von Magnesium und Calcium aus. Das kalorienfreie Wasser enthält zudem Mineralstoffe und Spurenelemente, die es während seiner langen Zeit im Untergrund aufgenommen hat.

Die amtlich zulässigen Hinweise „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ und „geeignet für eine natriumarme Ernährung“ unterstreichen für Gockel die Qualität des Produkts. Die genaue Mineralstoffzusammensetzung soll den besonderen Charakter des Wassers bestimmen und HÜ2O geschmacklich von anderen Angeboten unterscheiden.

Name verbindet Wasser und Heimatstadt
Seit rund einem Jahr bereiteten DICO Drinks und die Stadt Hückelhoven die öffentliche Präsentation des Mineralwassers vor. Neben der amtlichen Anerkennung mussten ein Name, ein Erscheinungsbild und ein Konzept für die Einführung entwickelt werden.

Gemeinsam mit Zeljko Pezely von der Aachener Agentur Interactive Pioneers entstand schließlich die Marke HÜ2O. Der Name verbindet das Kürzel „HÜ“ für Hückelhoven mit der bekannten chemischen Formel H₂O für Wasser. Damit wird auf den ersten Blick deutlich, woher das Produkt stammt und wofür es steht.

Auch die Gestaltung der schlanken 0,25-Liter-Dose wurde eigens entwickelt. Das Mineralwasser soll nicht nur durch seine Herkunft und seinen Geschmack, sondern auch durch ein modernes Erscheinungsbild überzeugen. Die Dose macht HÜ2O zugleich zu einem mobilen Werbeträger für die Stadt.

Das Produkt fügt sich damit in das Stadtmarketing Hückelhovens ein. Während die frühere Entwicklung der Stadt über viele Jahrzehnte vom Steinkohlebergbau geprägt wurde, steht HÜ2O für einen neuen und ganz anderen Schatz aus der Tiefe. Der Bezug zur Bergbaugeschichte liegt deshalb nahe: Fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der Zeche kommt erneut ein wertvolles Naturprodukt aus dem Hückelhovener Boden.

 

150.000 Dosen für die Einführung
Für die erste Phase stellt DICO Drinks der Stadt insgesamt 150.000 Dosen HÜ2O zur Verfügung. Das Wasser soll zunächst bei öffentlichen Veranstaltungen verteilt und so einem breiten Publikum bekannt gemacht werden.

Die Ausgabe erfolgt gegen eine Schutzgebühr von 25 Cent. Dabei handelt es sich um das reguläre Dosenpfand. Wer die leere Dose an einem Pfandautomaten zurückgibt, erhält den Betrag wieder. Das Mineralwasser selbst ist in dieser Einführungsphase somit kostenlos.

Mit dem Pfandlogo soll zugleich sichergestellt werden, dass die Verpackungen in den Wertstoffkreislauf zurückgelangen. Die Besucherinnen und Besucher können das neue Getränk probieren, ohne dafür einen Kaufpreis zahlen zu müssen, und werden gleichzeitig zur ordnungsgemäßen Rückgabe der Dose angehalten.

Premiere bei drei Picknick-Konzerten
Erstmals ausgeschenkt wird HÜ2O am Donnerstag, 13. August, beim Picknick-Konzert in der HÜ-Arena. Die vorgekühlten Dosen sind dort ab 18 Uhr erhältlich. Die Bezahlung der Pfandgebühr soll vorzugsweise bargeldlos erfolgen.

Auch bei den beiden Veranstaltungen am Samstag wird das neue Mineralwasser angeboten: zunächst beim Kinder-Picknick-Konzert ab 14 Uhr und anschließend beim Cafe-del-mar-Picknick-Konzert ab 19 Uhr. Damit erhält das Publikum gleich an drei Terminen die Gelegenheit, den neuen Hückelhovener Bodenschatz zu probieren.

Außerhalb der Konzerte ist HÜ2O ab Donnerstag im neuen Büro der Stadtmarketing Hückelhoven GmbH am Wildauer Platz 9 erhältlich. Damit gibt es bereits zum Marktstart eine zentrale Anlaufstelle für alle, die keine der Veranstaltungen besuchen können.

Verkauf im Handel ist geplant
Die kostenlose Einführung bei Veranstaltungen soll nur der erste Schritt sein. Perspektivisch möchte die Stadtmarketing Hückelhoven GmbH das Mineralwasser auch in den Handel bringen. Erste Gastronomen haben nach Angaben der Beteiligten bereits Interesse bekundet.

Für Restaurants, Cafes und andere Betriebe könnte HÜ2O ein regionales Produkt mit hohem Wiedererkennungswert sein. Auch im Einzelhandel würde das Getränk die Möglichkeit bieten, ein Mineralwasser aus unmittelbarer Nähe anzubieten. Wann der reguläre Verkauf beginnt und zu welchem Preis die Dosen dann erhältlich sein werden, steht allerdings noch nicht fest.

Zunächst soll das Wasser möglichst viele Menschen erreichen und durch seinen Geschmack überzeugen. Die 150.000 bereitgestellten Dosen geben der Stadt ausreichend Gelegenheit, das Getränk bei weiteren Veranstaltungen, Aktionen und Terminen zu präsentieren.

Mit HÜ2O verbindet Hückelhoven Industrie, Natur und Stadtmarketing auf ungewöhnliche Weise. Was ursprünglich als betriebliche Investition zur Sicherung des steigenden Wasserbedarfs begann, entwickelte sich durch den geologischen Fund zu einem Produkt für die ganze Stadt. Sollte das neue Mineralwasser bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ebenso gut ankommen wie bei den ersten Interessenten aus der Gastronomie, könnte HÜ2O tatsächlich schon bald in aller Munde sein.

 

Foto / Bericht
Heinsberg Magazin
Quelle:
Stadtmarketing & DICO Drinks

By CUH