Wassenberg Effeld
Rötlich verfärbtes Wasser, schlierenartige Ablagerungen am Ufer und zwischen Ästen sowie ein
laminiertes DIN-A4-Blatt an einem Baum: Am Effelder Waldsee in Wassenberg gibt es derzeit
Hinweise auf eine mögliche Belastung durch sogenannte Burgunderblutalgen. Eine umfassende
Information der Öffentlichkeit erfolgt bislang jedoch nicht.
Wer entlang des Ufers unterwegs ist, stößt vereinzelt auf die Aushänge der Stadt Wassenberg. Darin
wird auf einen „Gefahrenhinweis“ verwiesen und vor einer möglichen Burgunderblutalgenbildung
gewarnt. Hunde und Kleinkinder sollen vom Wasser ferngehalten werden, zudem wird empfohlen,
auf Wassersport zu verzichten. Unterzeichnet ist der Hinweis offiziell von der Stadt mit dem Zusatz
„Der Bürgermeister“.Die Warnung bleibt jedoch auf diese punktuellen Aushänge beschränkt.
Größere Beschilderungen, Absperrungen oder Hinweise auf stark frequentierten Zugängen sind
ebenso wenig zu erkennen wie eine Information über digitale Kanäle.

Offizielle Karten ohne aktuellen Hinweis
Auch in den offiziellen Badegewässerkarten des Landes Nordrhein-Westfalen findet sich derzeit
kein entsprechender Eintrag. Dort wird der Effelder Waldsee weiterhin mit „ausgezeichneter
Wasserqualität“ geführt. Hinweise auf aktuelle Einschränkungen oder mögliche Gefährdungen sind
nicht verzeichnet.Die Bewertung basiert auf langfristigen Messreihen und bildet kurzfristige
Entwicklungen nur verzögert ab. Dennoch entsteht so für Nutzerinnen und Nutzer ein Bild, das mit
der Situation vor Ort derzeit nicht übereinstimmt.
Proben genommen, Stadt hält Vorgehen für ausreichend
Nach Informationen unserer Redaktion wurden bereits Wasserproben entnommen. Ergebnisse sind
bislang nicht öffentlich. Auf Anfrage erklärte die Stadt Wassenberg, die vorhandenen Aushänge
würden als ausreichende Warnmaßnahme angesehen. Eine weitergehende Information der
Öffentlichkeit sei bislang nicht vorgesehen. Damit ergibt sich eine klare Diskrepanz zwischen der
vor Ort vorhandenen Gefahreneinschätzung und der öffentlichen Wahrnehmbarkeit dieser
Information.
Mögliche Gesundheitsrisiken durch Cyanobakterien
Bei den sogenannten Burgunderblutalgen handelt es sich um eine Erscheinungsform von
Cyanobakterien. Diese können das Wasser rötlich bis bräunlich verfärben und bilden häufig
schlierenartige Strukturen an der Oberfläche, wie sie aktuell am Effelder Waldsee zu beobachten
sind. Je nach Art können Cyanobakterien Giftstoffe freisetzen. Beim Menschen kann der Kontakt
mit belastetem Wasser zu Hautreizungen, Augenreizungen oder Magen-Darm-Beschwerden führen,
insbesondere wenn Wasser aufgenommen wird. Besonders gefährdet sind Tiere. Hunde können
bereits durch das Trinken von belastetem Wasser schwere Vergiftungen erleiden. Entsprechende
Warnhinweise finden sich auch auf den Aushängen vor Ort.
Informationslücke trotz konkreter Warnung
Der Effelder Waldsee ist ein viel genutztes Naherholungsgebiet. Umso relevanter ist die Frage, wie
Hinweise auf mögliche Gesundheitsrisiken kommuniziert werden. Derzeit gilt eine Warnung, die
jedoch vor allem diejenigen erreicht, die sich direkt vor Ort aufhalten und die Aushänge
wahrnehmen. Eine weitergehende, niedrigschwellige Information für Besucherinnen und Besucher,
etwa vorab über offizielle Kanäle, erfolgt bislang nicht. Wie wirksam eine Warnung ist, die im
Wesentlichen auf vereinzelte Aushänge vor Ort beschränkt bleibt, dürfte zumindest
diskussionswürdig sein.
Bericht/Foto:
Ron Weimann
