Social Media

Heinsberg – 27. März 2026

Ein leises Kratzen liegt in der Luft, kaum hörbar. Metall auf Metall, während farbiger Sand langsam
durch ein feines Röhrchen fließt. Korn für Korn wächst in der Christuskirche ein Mandala. Präzise,
ruhig, ohne Eile.

Über mehrere Tage hinweg arbeiten buddhistische Mönche aus Ladakh an dem filigranen
Kunstwerk. Jede Bewegung ist kontrolliert, jede Linie Teil eines größeren Ganzen. Wer nähertritt,
spürt schnell, dass sich hier nicht nur ein Bild entwickelt, sondern ein anderer Rhythmus. Gespräche
werden leiser, Blicke länger, die Zeit verliert an Dringlichkeit.

Das Mandala entsteht in gemeinsamer Arbeit. Mehrere Hände greifen ineinander, ohne sich zu
stören. Es geht nicht um einzelne Beiträge, sondern um das Zusammenspiel. Besucher bleiben
stehen, beobachten, kommen ins Gespräch, machen mit oder verharren einfach still. Die
Konzentration der Mönche überträgt sich spürbar auf den Raum.

Dabei liegt die eigentliche Bedeutung nicht im fertigen Werk. Ein Sandmandala ist von Anfang an
vergänglich. Nach Tagen sorgfältiger Arbeit wird es wieder aufgelöst. Was bleibt, ist kein Objekt,
sondern eine Erfahrung. Der Moment des Entstehens wird wichtiger als das Ergebnis.
Auch die Umgebung trägt zur besonderen Atmosphäre bei. Licht fällt durch die Fenster,
Gebetsfahnen bewegen sich leicht, draußen setzt sich die Ruhe fort. Innen wie außen entsteht ein
Raum, der nicht fordert, sondern einfach da ist.

Am 28. März um 15 Uhr findet der abschließende „Walk for Peace“ statt. Vom Gelände der
Christuskirche wird das Mandala zum Glücksplatz an der Mündung von Wurm und Rur getragen
und dort im Wasser aufgelöst. Ein stiller Weg, der die Vergänglichkeit nicht nur zeigt, sondern
gemeinsam erlebbar macht.

Am Ende verschwindet das Mandala wieder. Zurück bleibt nichts Greifbares. Und doch etwas, das
nachwirkt. Ein Gefühl von Konzentration, von Stille, vielleicht auch von Gelassenheit.
In einer Zeit, die oft von Tempo geprägt ist, entsteht für einen Moment etwas anderes:
eine Einladung, langsamer zu werden.

Fotos / Bericht
Ron Weimann

By CUH