Social Media

Gangelt
21. März 2026

Sirenen, Verletzte, dichter „Rauch“ und ein beißender Geruch in der Luft: Was auf den ersten Blick
wie ein schweres Unglück wirkte, war Teil einer groß angelegten Katastrophenschutzübung im
Kreis Heinsberg. Unter dem Namen „EMRIC“ trainierten Einsatzkräfte aus Deutschland, den
Niederlanden und Belgien heute den Ernstfall – grenzüberschreitend, komplex und möglichst
realitätsnah. Im Mittelpunkt der Übung stand ein dramatisches Unfallgeschehen auf der Kreisstraße
13 bei Gangelt. Ein Gefahrgut-Lkw kollidierte mit einem Reisebus, in dem sich Jugendliche
befanden, sowie mehreren Pkw. Durch den Zusammenstoß wurde der chemische Stoff
Benzoylchlorid freigesetzt – eine Substanz, die Augen und Atemwege stark reizen kann.
Die Einsatzlage spitzte sich schnell zu: Mehrere Fahrzeuge standen in Flammen, zahlreiche
Personen waren eingeklemmt oder verletzt, andere litten unter den Auswirkungen des Gefahrstoffs.
Insgesamt stellten rund 50 geschminkte Darsteller die Verletzten dar und sorgten für ein möglichst
realistisches Lagebild.

Ein solcher „MANV“ – ein Massenanfall von Verletzten – gehört zu den anspruchsvollsten
Szenarien im Rettungsdienst. Ziel ist es, trotz knapper Ressourcen möglichst vielen Betroffenen
schnell zu helfen. Die Einsatzkräfte mussten die Verletzten zunächst sichten, priorisieren und
medizinisch erstversorgen. Anschließend erfolgte die koordinierte Verteilung auf Krankenhäuser –
auch über Landesgrenzen hinweg.

 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Fokus
Die Übung wurde im Rahmen des EMRIC-Verbunds durchgeführt, der die Kooperation von
Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben in der Euregio Maas-Rhein stärkt. In der
Grenzregion arbeiten Einsatzkräfte regelmäßig zusammen, da große Schadenslagen selten an
nationalen Grenzen Halt machen. Neben Kräften aus dem Kreis Heinsberg beteiligten sich auch
Einheiten aus Belgien und den Niederlanden. Dazu gehörten Feuerwehren, Rettungsdienste, Polizei,
Hilfsorganisationen sowie koordinierende Führungsstäbe. Unterschiedliche Strukturen, Sprachen
und Einsatzkonzepte mussten dabei ineinandergreifen – eine Herausforderung, die im Ernstfall über
den Erfolg eines Einsatzes entscheiden kann.

Besondere Aufmerksamkeit galt dem Umgang mit dem freigesetzten Gefahrstoff. Spezialisierte
CBRN-Einheiten (für chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren) übernahmen
die Messung, Sicherung und Eindämmung der Substanz. Auch Dekontaminationseinheiten waren
im Einsatz, um kontaminierte Personen zu reinigen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch technische Einsatzleitungen und
Kommunikationseinheiten, die den Überblick über die komplexe Lage sicherstellen sollten. Parallel
zum Einsatz vor Ort wurden auch die Abläufe in den Krankenhäusern berücksichtigt. Die Kliniken
mussten freie Kapazitäten melden und sich auf eine größere Zahl an Verletzten vorbereiten.
Der Transport der Patienten erfolgte im Übungsszenario mit Rettungswagen und speziellen
Transportfahrzeugen, koordiniert über Leitstellen und Einsatzleitungen. Die tatsächliche
überregionale Verteilung blieb jedoch Teil der theoretischen Planungs- und Abstimmungsprozesse.
Die Übung zeigte deutlich, wie entscheidend klare Kommunikation, abgestimmte Abläufe und
funktionierende Zusammenarbeit sind. Gerade in komplexen Lagen mit Gefahrstoffen und vielen
Betroffenen komme es auf jede Minute an, betonen die Organisatoren.

Mit Szenarien wie diesem sollen mögliche Schwachstellen erkannt und Abläufe weiter verbessert
werden. Denn im Ernstfall zählt vor allem eines: schnelles, koordiniertes Handeln – über Grenzen
hinweg.

Bericht:
Ron Weimann
Foto:
Ron Weimann u. Heinsberg Magazin
Video: Heinsberg Magazin

By CUH