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Eine Luftaufnahme die während der Arbeiten der Archäologen entstand zeigt die farblichen Veränderungen durch die Bauten der Vergangenheit recht gut

Hückelhoven

In Ratheim hat am Montag die Erschließung des Neubaugebiets Haller Acker begonnen – ein Projekt, das die Stadt Hückelhoven seit Jahren vorbereitet. Mit dem Start der Arbeiten durch die NEW ist nun allerdings Geduld gefragt: Die Millicher Straße ist für zwei Wochen komplett gesperrt, anschließend wird sie für rund drei weitere Wochen nur einseitig befahrbar sein. Frühester Abschluss der Maßnahmen: Anfang April 2026.

Während der Baufortschritt sichtbar wird, sorgt eine Entdeckung im Untergrund für Aufsehen. Denn das künftige Wohn- und Gewerbegebiet birgt ein Stück Regionalgeschichte, das die Planung maßgeblich verändert hat. Bereits im Oktober 2024 stießen Arbeiter auf Keramikreste und ungewöhnliche Bodenstrukturen. Eine Fachfirma bestätigte später im Auftrag der Stadt und in Abstimmung mit dem LVR: Es handelt sich um Spuren menschlicher Besiedlung aus mehreren Epochen – von der Eisenzeit über die Römer bis ins Mittelalter.

Besonders spektakulär: Ein klar abgrenzbarer mittelalterlicher Siedlungsplatz mit Öfen, Grubenanlagen und einem Grubenhaus. Die Keramikfunde reichen vom 11. Jahrhundert bis ins späte Mittelalter und deuten auf eine rund 300 Jahre dauernde Siedlungskontinuität hin. Für Archäologen ein Glücksfall – für die Stadt eine Herausforderung.

Auch vom Boden her sieht man die Konturen von Bauten vergangener Zeiten recht gut.
Fundorte haben die Archäologen mit gelben Steckern markiert

Denn die Verwaltung musste entscheiden: alles freilegen oder die Fundstelle im Boden erhalten? Da eine vollständige Ausgrabung das Projekt stark verzögert und deutlich teurer gemacht hätte, entschied sich die Stadt für die konservierende Sicherung. Der Rat stimmte mehrheitlich zu, lediglich die Grünen votierten dagegen. Die Fraktion lehnt das Projekt grundsätzlich ab und verweist auf die zunehmende Versiegelung wertvoller Ackerflächen.

Für künftige Grundstücksbesitzer im Haller Acker bedeutet die Entscheidung klare Regeln: Tiefe Eingriffe in den Boden wie die Unterkellerung des Hauses oder Swimming Pools sind tabu. Ausnahmen sind nur möglich, wenn ein Fachgutachten bestätigt, dass keine Funde betroffen sind oder diese geborgen werden können. In besonders geschützten Bereichen gilt darüber hinaus eine feste maximale Eingriffstiefe.

Fotos:
Photocopter Heinsberg

By CUH