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Heinsberg
26. Februar 2026

Wer durch Heinsberg geht und am Haus von Sibylle Hieronimi vorbeikommt, kennt meist zuerst
das große Wandmotiv: „Die Tänzerin“. Die Graffiti-Reproduktion nach einem Werk von Oscar
Begas entstand im Rahmen des Street-Art-Projekts „Lust auf Kunst?“ des Begas Hauses und hat
sich längst zu einem festen Punkt im Stadtbild entwickelt. Direkt um die Ecke, im Schaufenster,
begegnet man derzeit einer anderen Form von Kunst. Kleiner im Format, aber nicht weniger
präsent. Hier stellt Kutte Lübbe seine Arbeiten aus.

Der 67-Jährige, der seit 45 Jahren künstlerisch tätig ist, hat seinen Weg über viele Techniken
gefunden. Sein Schwerpunkt liegt auf der Airbrush-Kunst, doch auch Acrylmalerei auf Leinwand
und Spachtelarbeiten gehören zu seinem Repertoire. Stilistisch möchte er sich bewusst nicht
festlegen. „Mir gefallen alle Stilrichtungen“, sagt er. Diese Offenheit zeigt sich in seinen Motiven:
Mode-Silhouetten in kräftigen Farben, grafische Schwarz-Weiß-Porträts, geometrische
Kompositionen und ornamental angelegte Flächen.

Sein Künstlername „Kutte“ stammt aus der Bikerszene. Ein Hinweis auf einen Lebensweg, der
nicht aus einer klassischen Kunstlaufbahn heraus entstanden ist, sondern aus Praxis, Erfahrung und
handwerklicher Entwicklung. Viele seiner Airbrush-Arbeiten entstehen mit selbst gefertigten
Schablonen, die weiche Farbverläufe und zugleich präzise Konturen ermöglichen. Trotz der
technischen Arbeitsweise bleibt jedes Bild ein Unikat.
Doch Lübbe spricht nicht zuerst über Technik, wenn man ihn nach seiner Kunst fragt, sondern über
Zugänglichkeit. „Kleine Kunst für kleines Geld“, beschreibt er sein Konzept. Kunst solle kein
Luxusgut sein, sondern für möglichst viele Menschen erreichbar bleiben. „Ich möchte Kunst
transportieren, damit sich auch Menschen mit geringem Einkommen etwas leisten können“, sagt er.
Seine kleinformatigen Arbeiten, die bewusst zu moderaten Preisen angeboten werden, folgen genau
diesem Gedanken.

Der Ausstellungsort ist dafür passend gewählt. Das Schaufenster fungiert als niederschwelliger
Ausstellungsraum: jederzeit sichtbar, ohne Eintritt, mitten im Alltag. Gleichzeitig entsteht ein
Dialog zwischen zwei sehr unterschiedlichen Formen öffentlicher Kunst. Großflächig auf dem Haus
die großformatige Street-Art-Arbeit „Die Tänzerin“, die den Stadtraum prägt; dahinter die
detailreichen Airbrush- und Acrylbilder, die zum näheren Hinsehen einladen.
Dabei ist das Schaufenster nicht nur für diese eine Präsentation gedacht. Wie Sibylle Hieronimi
betont, steht die Fläche auch anderen Künstlerinnen und Künstlern offen. Wer seine Arbeiten zeigen
möchte, kann sich melden und den Ort als öffentliche Bühne nutzen. So entwickelt sich das
Schaufenster Schritt für Schritt zu einem kleinen, frei zugänglichen Ausstellungsraum für die
regionale Kunstszene.

Für Kutte Lübbe ist genau das der richtige Rahmen: gesehen zu werden, nicht in einem
abgeschlossenen Galerieraum, sondern im Alltag der Menschen. Seine Arbeiten bewegen sich
bewusst zwischen Handwerk, Design und freier künstlerischer Praxis. Sie wollen nicht provozieren,
sondern ansprechen, nicht distanzieren, sondern zugänglich sein.
Die Ausstellung zeigt damit mehr als einzelne Bilder. Sie steht für eine Haltung: Kunst soll sichtbar
sein, bezahlbar bleiben und ihren Platz im täglichen Leben finden. Für Künstler ebenso wie für ihr
Publikum.

Wer selbst Kunst zeigt und einen öffentlich sichtbaren Ausstellungsort sucht, kann sich per E-Mail
an Sybille Hieronimi wenden: sibyllehier@gmx.de. Das Schaufenster steht weiteren Künstlerinnen
und Künstlern ausdrücklich offen.

Text und Bild:
Ron Weimann

By CUH