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Eine Reise, die nicht loslässt

Heinsberg
12. Februar 2026

Manchmal kündigen sich besondere Begegnungen nicht laut an. Sie entstehen aus einer Erfahrung,
die nachwirkt. Aus einem Eindruck, der bleibt. In Heinsberg beginnt diese Geschichte nicht im
Himalaya, sondern bei einem Menschen vor Ort. Der Heinsberger Uwe Steinborn reiste vor einigen
Jahren in die Hochgebirgsregion Ladakh. Was als Reise begann, wurde zu einer Begegnung, die ihn
nicht mehr losließ. Die Weite der Landschaft, die Selbstverständlichkeit spiritueller Praxis im
Alltag, die Ruhe inmitten karger Höhenzüge. Es war weniger ein einzelnes Ereignis als eine
Haltung, die sich einprägte.

Aus dieser Erfahrung wuchs der Wunsch, etwas von dem Erlebten nach Heinsberg zu holen. Nicht
als Inszenierung, nicht als exotisches Schauspiel, sondern als echten kulturellen Austausch.
Steinborn formuliert es schlicht: „Glück findest Du nur dann, wenn Du anderen Glück bringst.“
Dieser Gedanke wurde für ihn zum Leitmotiv. Nicht als moralischer Anspruch, sondern als
Ausdruck von Verbundenheit. Und noch etwas begleitet ihn seither: „Man darf die Hoffnung nicht
verlieren, auch in chaotischen und schwierigen Zeiten glücklich zu sein.“ In diesem Satz liegt
vielleicht der eigentliche Kern der Reise. Nicht die Ferne des Himalaya, sondern die Überzeugung,
dass Zuversicht eine Entscheidung sein kann.

In den kommenden Wochen wird nun eine buddhistische Mönchsgruppe aus Ladakh zu Gast sein.
Im Zentrum ihres Aufenthalts steht die Entstehung eines Sandmandalas. Über mehrere Tage hinweg
wächst aus unzähligen farbigen Sandkörnern ein Bild von großer Präzision. Korn für Korn entsteht
ein Muster, das Geduld verlangt und Konzentration voraussetzt. Wer zusieht, erlebt, wie sich Zeit
verändert, wenn sie nicht getrieben wird.

Ein wesentlicher Bestandteil dieses Austauschs ist die Einbindung junger Menschen. Schülerinnen
und Schüler der Sonnenscheinschule sowie der Realschule Heinsberg gestalten unter achtsamer
Begleitung eigene Sandmandalas. Dabei geht es nicht um künstlerische Perfektion. Es geht um
Aufmerksamkeit, um gemeinsames Tun, um das Erleben von Konzentration in einer Welt, die selten
stillsteht. Eine fremde Tradition wird auf diese Weise nicht theoretisch vermittelt, sondern
unmittelbar erfahren.

Die Begegnungen finden in der Christuskirche Heinsberg statt. Der Raum wird als offener Ort
verstanden, der kulturelle Begegnung ermöglicht. Es geht nicht darum, für den Buddhismus zu
werben, sondern darum, Einblick zu geben und Verständnis wachsen zu lassen. Der Ort wird zum
Rahmen für Austausch zwischen unterschiedlichen Lebenswelten.

Ein Sandmandala ist von Anfang an vergänglich. Nach Tagen sorgfältiger Arbeit wird es traditionell
wieder aufgelöst. Was im ersten Moment wie Zerstörung erscheint, ist Teil seines Wesens. Der Wert
liegt nicht im dauerhaften Erhalt, sondern im bewussten Erleben des Entstehens und Vergehens. In
dieser Haltung wird Vergänglichkeit zum Meisterwerk. Die Auflösung erfolgt im Rahmen eines
Walk for Peace. In gemeinsamer Stille wird der Sand von der Christuskirche zum Glücksplatz an
der Mündung von Wurm und Rur getragen. Dort wird er dem fließenden Wasser übergeben. In der
buddhistischen Tradition heißt es, dass das Wasser den Segen und die positive Energie hinaus in die
Welt trägt. Der Weg dorthin ist bewusst schlicht gehalten und versteht sich als Zeichen für Frieden
und Verbundenheit.

Die Mönche stammen aus Ladakh, auch klein Tibet genannt, einer Region, in der buddhistische
Praxis Teil des täglichen Lebens ist. Rituale, Achtsamkeit und Gemeinschaft sind dort keine
Ausnahme, sondern Selbstverständlichkeit. Diese Haltung bringen sie mit nach Heinsberg. Nicht als
Botschaft, sondern als gelebte Präsenz.

Vielleicht liegt gerade darin die besondere Qualität dieses Besuchs. In einer Zeit, die oft von
Beschleunigung und Gegensätzen geprägt ist, entsteht für einen Moment ein anderer Rhythmus.
Einer, der nichts verspricht und nichts fordert. Der lediglich Raum öffnet für Begegnung. Wer sich
darauf einlässt, braucht nichts mitzubringen. Offenheit genügt.

Zeiten und Termine:
HIMALAYA-FEST | HEINSBERG
23.–28. März 2026 · Christuskirche
Eintritt frei · Jeder ist willkommen
Täglich
9.00 Gebet & Meditation
9.30–12.30 Sandmandala
14.00–16.30 Sandmandala
15.00 Kinder-Mandalas
ab 16.30 Begegnung mit Lama Samten
„Frage den Mönch“
Besonderes
23.3., 18.00 Vorstellung der Mönche
24.3., 17.00 Film & Gespräch
25.3., 18.00 Vortrag „Frieden finden“
26.3., 18.00 Konzert der Mönche
27.3., 18.00 Podiumsgespräch
28.3., 15.00 Walk for Peace
Christuskirche → Glücksplatz Rur/Wurm
Auflösung des Mandalas im Wasser

 

Fotos: Uwe Steinborn
Text: Ron Weimann

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