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Heinsberg
05. Januar 2026

Die Silvesternacht im Kreis Heinsberg verlief für viele Einwohner überwiegend friedlich.
Gleichzeitig zeigen polizeiliche Erkenntnisse, eigene Beobachtungen sowie die Erfahrungen von
Tierschutzorganisationen, dass die Auswirkungen dieser Nacht weit über das eigentliche Feiern
hinausgehen und sich teils erst mit zeitlicher Verzögerung bemerkbar machen.

Zwischen etwa 23.30 Uhr und 1.00 Uhr war im Stadtgebiet eine erhöhte Polizeipräsenz
festzustellen. Streifenfahrzeuge und Einsatzkräfte waren an mehreren zentralen Punkten unterwegs.
Dennoch wurde Feuerwerk vielfach direkt im öffentlichen Raum gezündet, unter anderem auf
Straßen, Kreuzungen und Parkplätzen. In mehreren Fällen hielten Raketen ihre vorgesehene
Flugbahn nicht ein oder kippten kurz nach dem Zünden ab. Teilweise wurden Feuerwerkskörper aus
der Hand gestartet, auch in unmittelbarer Nähe anderer Personen.

Im Verlauf der Silvesternacht wurde zudem eine Gruppe jüngerer Männer beobachtet, die angab,
Feuerwerkskörper im Wert von rund 2.000 Euro erworben zu haben. Nach eigener Aussage waren
sie dafür mit dem Zug nach Polen gefahren. Gezündet wurde das Feuerwerk auf dem Parkplatz
eines Discounters, was von den Beteiligten damit begründet wurde, man habe „Rücksicht auf
Anwohner“ nehmen wollen. Unter den verwendeten Feuerwerkskörpern befand sich eine größere
Menge pyrotechnischer Gegenstände der Kategorie F3. Derjenige, der das Feuerwerk zündete,
erklärte, im Besitz eines entsprechenden Befähigungsnachweises zu sein. Dass für das Abbrennen
von Feuerwerk dieser Kategorie zusätzlich eine Genehmigung der zuständigen Stadt erforderlich
ist, war ihm vermutlich nicht bekannt.

Nach Angaben der Kreispolizeibehörde Heinsberg kam es in der Nacht vom 31. Dezember 2025 auf
den 1. Januar 2026 kreisweit zu mehreren Körperverletzungsdelikten. Zudem wurden Polizeibeamte
bei Einsätzen angegriffen und beleidigt. In mehreren Fällen kam es zu Bränden und gefährlichen
Situationen im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern. In Oberbruch brannten auf einem
Grundstück an der Röntgenstraße drei Bäume, die mutmaßlich durch eine Feuerwerksrakete
entzündet wurden. Bei dem Brand verletzte sich ein Ersthelfer leicht. Bereits am frühen Abend des
31. Dezember wurde ein Selbstbedienungshaus an der Straße Zweibrüggen durch Feuerwerkskörper
erheblich beschädigt.

In Heinsberg an der Hochstraße sowie in Hückelhoven an der Straße Am Landabsatz wurden
Mülleimer in Brand gesetzt, in Hückelhoven brannte zudem der Unterstand von Abfalltonnen
teilweise ab. In Hückelhoven-Hilfarth wurde ein Fahrzeug beschädigt, nachdem ein Böller durch
ein Kunststoffdach in den Innenraum gelangt war und dort explodierte. An der Roermonder Straße
in Hückelhoven wurden vor einem Schnellrestaurant zwei Pkw mit Steinen beworfen und mit
Feuerwerkskörpern beschädigt. Eine Person wurde dort durch eine Feuerwerksrakete an der Stirn
getroffen und leicht verletzt.

Bereits gegen 19.40 Uhr beobachtete eine Anwohnerin der Straße Am Steinacker, wie zwei
Jugendliche an der Einmündung der Straße Amboßweg Raketen gezielt in Richtung von
Fahrradfahrern abfeuerten. Als sie die Jugendlichen ansprach, zündeten diese auch in ihre Richtung
eine Rakete. Die Polizei nahm Anzeigen auf; die Ermittlungen dauern teilweise noch an.
Gleichzeitig betonte die Polizei, dass die Mehrheit der Einwohner im Kreisgebiet den
Jahreswechsel friedlich gefeiert habe.

Feuer im Hof eines Wohnhauses bei Heinsberg Kirchhoven

Ergänzend kam es in der Silvesternacht zu weiteren Bränden. So geriet das Dach eines Vorhofes in
Brand; das betroffene Wohnhaus ist infolge der Schäden derzeit nicht bewohnbar. Zudem kam es zu
einem Garagenbrand. In beiden Fällen gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass die Brände
durch Feuerwerkskörper ausgelöst wurden.

Während Polizei und Rettungskräfte vor allem die unmittelbaren Gefahrenlagen erfassen, bleiben
andere Folgen der Silvesternacht häufig unbeobachtet. Besonders Wildtiere reagieren empfindlich
auf Lärm, Lichtblitze und Erschütterungen. Sehr oft mit zeitlicher Verzögerung.

 

Auswirkungen auf Igel
Britta Krzykowski, Betreiberin der Igelhilfe Wassenberg, berichtet, dass sie am 2. und 4. Januar
zwei verletzte Igel aufgenommen habe. Beide Tiere wiesen Verletzungen im Kopfbereich auf, einer
zudem am Auge. Auffällig sei gewesen, so Krzykowski, dass es sich nicht um die für den Winter
typischen Verletzungen durch Milbenbefall gehandelt habe.
Aus einer Überwinterungsstelle erhielt sie zudem ein Video, das ein verändertes Verhalten eines
Igels zeigt. Das Tier verlässt wiederholt sein Häuschen, schnuppert in die Luft, frisst hektisch etwas
und zieht sich anschließend wieder zurück. Dieses Verhalten deutet auf eine Störung der Winterruhe
hin. In ruhigeren Bereichen, in denen wenig Feuerwerk gezündet wurde, seien überwinternde Igel
hingegen weitgehend unauffällig geblieben.
„Igel befinden sich während des Winterschlafs in einem stark heruntergefahrenen, nahezu
komaähnlichen Zustand. Herzschlag, Atmung und Stoffwechsel sind auf ein Minimum reduziert.
Werden sie abrupt geweckt oder verletzt, kann dies schwerwiegende gesundheitliche Folgen
haben“, betonte die Tierschützerin. Nach Einschätzung der Igelhilfe besteht unter anderem auch das
Risiko von gravierenden Herzrhythmusstörungen bis hin zu Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Für das
wiederholte Einschlafen und Aufwachen benötigen Igel sogenannte braune Fettreserven im
Nackenbereich. Werden diese durch panikartiges Erwachen aufgebraucht, besteht die Gefahr, dass
ein Tier nicht mehr aus dem Winterschlaf erwacht.“

Hinzu kommen äußere Risiken wie Verbrennungen, schwere Verletzungen sowie eine erhöhte
Gefährdung durch Orientierungslosigkeit und Panik. Aufgewachte Igel finden im Winter weder
ausreichend Nahrung noch geeignetes Nistmaterial. Ist ein Nest beschädigt oder zerstört, sind die
Überlebenschancen gering. Zwar lasse sich im Einzelfall nicht eindeutig feststellen, wodurch
Verletzungen verursacht wurden, dennoch sei die zeitliche Häufung rund um Silvester sehr
auffällig. Viele Tiere blieben zudem unentdeckt, da sie nach Störungen des Winterschlafs unter
Gebüschen oder in Sträuchern verendeten.

Auswirkungen auf Wildvögel
Auch bei Wildvögeln zeigen sich die Folgen der Silvesternacht teils erst mit zeitlicher Verzögerung.
Karen Bülles, Betreiberin einer privaten Wildvogelhilfe im Kreis Heinsberg, berichtet, dass in den
Tagen rund um Silvester deutlich weniger Vögel in ihrem Garten erschienen seien. Angefütterte
Tiere, die sonst regelmäßig kommen, seien zeitweise ausgeblieben.
Gleichzeitig kehrten zuvor ausgewilderte Reiher in die Voliere zurück und suchten erneut
geschützte Bereiche auf. Die in den Tagen nach Silvester aufgenommenen Tiere wiesen nach
Angaben der Vogelhilfe ausnahmslos Verletzungen auf, die auf Kollisionen hindeuteten, etwa mit
Gebäuden oder anderen Hindernissen. Ob diese Verletzungen unmittelbar durch Feuerwerk
verursacht wurden, lasse sich im Einzelfall nicht sicher feststellen. Es sei jedoch naheliegend, so
Bülles, dass plötzliche Lärm- und Lichtreize zu Panikreaktionen und Orientierungsverlust geführt
haben könnten.

Diese lokalen Beobachtungen lassen sich durch wissenschaftliche Untersuchungen aus den
Niederlanden ergänzen. Forscherinnen und Forscher der Universität Amsterdam haben mithilfe von
Radar- und Satellitendaten analysiert, wie Wildvögel auf das Silvesterfeuerwerk reagieren. Die
Auswertungen zeigen, dass sich punktgenau um Mitternacht großflächig Vogelschwärme aus ihren
nächtlichen Ruhegebieten lösen und ungeplant in die Luft steigen. Diese Aktivität hält teils über
eine Stunde an, bevor sich die Bewegungen wieder normalisieren. Die Ergebnisse verdeutlichen,
dass Feuerwerk nicht nur lokal wahrgenommen wird, sondern auch auf größerer räumlicher Ebene
messbare Auswirkungen auf Wildvögel hat.

Das die Silvesternacht für Tiere eine besondere Belastung darstellt, zeigt sich auch im Umgang mit
Haustieren. In der vergangenen Silvesternacht öffneten mehrere Flughäfen ihre Terminals, um
Hundebesitzern die Möglichkeit zu geben, die Nacht mit ihren Tieren in vergleichsweise ruhiger
Umgebung zu verbringen. Zu diesen gehörte unter anderem der Flughafen Köln/Bonn.
Auch in den sozialen Medien wurde die Silvesternacht intensiv begleitet. Zahlreiche Nutzerinnen
und Nutzer teilten dort Fotos, Videos und Berichte von verängstigten Haustieren. Zu sehen waren
unter anderem Hunde und Katzen, die sich während des Feuerwerks zurückzogen, zitterten oder
Schutz in Verstecken suchten. Die Beiträge ersetzen keine fachliche Einordnung, verdeutlichen
jedoch, wie schwerwiegend die Belastung durch Lärm und Explosionen für Haustiere
wahrgenommen wird.

Der Jahreswechsel endet somit nicht mit dem letzten Knall. Viele ihrer Folgen zeigen sich erst
Stunden oder Tage später, in Polizeimeldungen, bei Tierschutzorganisationen oder im Verborgenen
der Natur. Während ein Großteil der Bevölkerung den Jahreswechsel ruhig begeht, entstehen
Situationen, die Menschen, Tiere und öffentliche Strukturen mitunter schwer belasten.
Die Silvesternacht zeigt damit nicht nur vereinzelte Auswüchse, sondern eine Belastung, die Jahr
für Jahr bewusst in Kauf genommen wird mit Sachschäden, Verletzten und langfristigen Folgen, die
in keiner Bilanz vollständig erfasst werden. Sie folgt bekannten Mustern.
Die Frage ist weniger, ob diese Belastungen auftreten, sondern warum sie weiterhin als
unvermeidlich akzeptiert werden und ob sich die kommunale Ebene künftig ernsthaft mit ihren
Folgen auseinandersetzt. Die Reaktionen in den sozialen Medien deuten darauf hin, dass diese
Akzeptanz zunehmend brüchiger wird. Immer häufiger wird öffentlich hinterfragt, wie lange die
bekannten Folgen für Menschen, Tiere und öffentliche Strukturen noch als selbstverständlicher
Bestandteil des Jahreswechsels gelten sollen.

Silvesterfeuerwerk 2017/2018
Quelle: University of Amsterdam, Royal Netherlands Air Force, Koninklijk Nederlands
Meteorologisch Instituut, KMI, Vlaamse Milieumatschappij

Wissenschaftliche Quellen:
Millions of birds lose precious energy due to fireworks on New Year’s Eve – Universiteit van
Amsterdam

Fotos und Bericht:
Ron Weimann
Einzelbild: Mäusebussard mit verbranntem Schnabel (2025)
Foto: Private Wildvogelhilfe Karen
Bülles

 

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