Social Media

Erkelenz

Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt – Demokratie braucht uns alle“ haben
sich am Samstag in Erkelenz zahlreiche Menschen zu einer Kundgebung gegen
Rechtsextremismus versammelt. Aufgerufen hatte das Bündnis „Gegen Rechts – Bündnis
für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg“. Mit der Veranstaltung sollte ein deutliches Zeichen für Menschenwürde, Vielfalt und eine offene Gesellschaft gesetzt und gleichzeitig ein klares Signal gegen Hass, Hetze und Faschismus gesendet werden.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 200 Menschen an der Kundgebung.
Viele von ihnen brachten Plakate und Banner mit und machten so sichtbar, dass im Kreis
Heinsberg eine breite gesellschaftliche Unterstützung für Demokratie und Toleranz
vorhanden ist. Die Stimmung war von Gemeinschaftsgefühl geprägt, immer wieder gab es Applaus und zustimmende Rufe während der Redebeiträge.

Eröffnet wurde die Kundgebung von Tino Pakusa, der als Versammlungsleiter die Gäste begrüßte und das Programm vorstellte. Ein wiederkehrendes Element im Verlauf war die Musik: Das Duo „ZwischenTöne“ mit Udo Schroll und Alwin Nagel gestaltete die
Veranstaltung mit mehreren Stücken, darunter „Wir lassen das hier nicht anbrennen“,
„Gegenwind“ und „Wir stehn auf“. Die Lieder griffen die Themen Vielfalt, Zusammenhalt
und Zivilcourage auf und sorgten für emotionale Momente zwischen den Reden.
Ein breites Spektrum an Rednerinnen und Rednern spiegelte die Vielfalt der Unterstützer
wider. Bürgermeister Stephan Muckel (Stadt Erkelenz) sprach über die Verantwortung der
Kommunen, aktiv für ein respektvolles Miteinander einzutreten. Andrea Reh,
stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende, erinnerte daran, dass Demokratie keine
Selbstverständlichkeit sei, sondern von allen getragen und verteidigt werden müsse.
Superintendent Jens Sannig (Evangelischer Kirchenkreis Jülich) betonte die Rolle der
Kirchen im Einsatz für Menschenwürde und Solidarität.

Auch Betriebsseelsorger Johannes Eschweiler (Bistum Aachen, Region Heinsberg),
Antonia Greco (Die Linke), Dr. Sabrina Grübener (Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Heinsberg), Wilfried Mercks (Arbeiterwohlfahrt), Florian Viehmann (DGB-Kreisverband Heinsberg) sowie Ulrich Wagner (Vielfalt mit Herz im Kreis Heinsberg e.V.) nutzten die Gelegenheit, um ihre Positionen deutlich zu machen.

Antonia Greco warnte dabei eindringlich: „Rechte Ideologien wollen Angst säen, spalten und die Würde von Menschen verhandelbar machen. Sie versprechen einfache Antworten und liefern am Ende nur Hass, Gewalt und Stillstand. Dem müssen wir etwas entgegensetzen: Eine bessere, konkrete und soziale Antwort. Denn der Kampf gegen rechts ist untrennbar mit dem Kampf für soziale Sicherheit verbunden. Warum?

Weil rechte Parolen sich am ehesten dort verfangen, wo Menschen sich abgehängt fühlen, wo Mieten drücken, Löhne nicht reichen, Schulen kaputtgespart sind und Busse nur noch einmal am Tag kommen. Wer in Unsicherheit lebt, ist anfälliger für Sündenbock-Politik.“
Ihre Worte stießen auf große Zustimmung im Publikum und fassten die Grundidee der
Kundgebung in präziser Weise zusammen.

Störaktion am Rande

Überschattet wurde die Veranstaltung von einer kleineren Störaktion: Etwa sechs
Personen versammelten sich mit einer großen Soundbox auf der gegenüberliegenden
Straßenseite und versuchten, die Kundgebung zu übertönen. Nach Angaben der Polizei
handelte es sich dabei nicht um einen angemeldeten Gegenprotest, sondern um eine
spontane Aktion. Gegen Ende musste die Polizei eingreifen, da einzelne Störer
handgreiflich werden wollten.
Zum Abschluss zog Versammlungsleiter Tino Pakusa ein Fazit. Er unterstrich noch einmal,dass die Kundgebung trotz der Störversuche ein wichtiges Signal gewesen sei. Auch in Zukunft komme es auf eine wachsame und aktive Zivilgesellschaft an.

Das Ziel des Bündnisses sei es, dauerhaft Zeichen zu setzen und Menschen zu ermutigen, für Toleranz
und Menschenrechte einzutreten.

Das „Bündnis gegen Rechtsextremismus – für Demokratie und Toleranz im Kreis
Heinsberg“ ist ein Zusammenschluss aus Parteien, Kirchen, Verbänden, Vereinen und
engagierten Einzelpersonen. Ziel des Bündnisses ist es, demokratische Werte zu stärken, über rechtsextreme Tendenzen aufzuklären und durch gemeinsame Aktionen ein Zeichen für Vielfalt und Menschenwürde zu setzen. Neben Kundgebungen und Mahnwachen organisiert das Bündnis Informationsveranstaltungen, Diskussionsrunden und kulturelle
Projekte.

Durch die breite Trägerschaft soll deutlich werden: Die Verteidigung von
Demokratie und Toleranz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zielsetzung des Bündnisses ist die ständige Auseinandersetzung mit und der Widerstand gegen Rechtsextremismus, Revanchismus, Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit,
Diskriminierung und Nationalismus im Alltag in der Heinsberger Region

Foto/ Bericht
Ron Weimann

By CUH