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Heinsberg
19. August 2025

Ein warmer Sommertag, das Schnauben der Pferde hallt über den Hof. Vorsichtig strecken die Bewohnerinnen und Bewohner des Altenzentrums ihre Hände aus, berühren das Fell eines neugierigen Ponys, spüren die Wärme des Tieres und die Ruhe, die es ausstrahlt. Für viele ist es ein
berührender Moment, der Erinnerungen an frühere Zeiten weckt – an Kindheit auf dem Land, an Ausritte oder einfach an die Vertrautheit mit Tieren.

Seit vielen Jahrzehnten organisiert die Einrichtungsleitung regelmäßige Fahrten zu einem nahegelegenen Pferdehof im Heinsberger Ortsteil Pütt. Dort haben die Seniorinnen und Senioren
die Möglichkeit, Pferde, Ponys und sogar junge Fohlen aus nächster Nähe kennenzulernen.

Die Begegnungen sind geprägt von gegenseitiger Aufmerksamkeit: Die Tiere lassen die Nähe zu, während die Menschen spürbar auftauen, lächeln, streicheln, erzählen. Und längst kennen auch die
Tiere diese Besuche – neugierig kommen sie heran, denn sie wissen: Es gibt kleine Leckereien, wie saftige Äpfel oder knackige Möhren.

„Die Wirkung dieser Stunden ist unglaublich“, berichtet Einrichtungsleiterin Astrid Frese, die selbst aktive Reiterin ist. „Man merkt, wie sehr unsere Bewohnerinnen und Bewohner aufblühen. Sie sind mittendrin, aktiv, lachen – und für viele bedeutet das auch, noch einmal an schöne Erlebnisse aus
ihrem eigenen Leben anzuknüpfen.“
Warum solche Begegnungen so wertvoll sind, zeigt sich immer wieder: Tiere schenken Nähe, ohne Worte zu brauchen. Sie reagieren ehrlich und unmittelbar, geben Vertrauen und wecken
Erinnerungen. Gerade für ältere Menschen bedeutet das Trost, Geborgenheit und das Gefühl, angenommen zu sein. Oft beginnt ein Gespräch dann von ganz von allein, wenn Hände über weiches Fell streichen – und Geschichten aus der Vergangenheit lebendig werden.

Dass solche Momente so viel bewirken, lässt sich inzwischen auch wissenschaftlich erklären. Forschende haben herausgefunden, dass schon das Streicheln eines Tieres den Blutdruck senken und das Herz beruhigen kann. Gleichzeitig schüttet der Körper Oxytocin aus – ein Hormon, das
Vertrauen schafft, Entspannung fördert und soziale Nähe stärkt. Es ist derselbe Stoff, der auch bei einer liebevollen Umarmung freigesetzt wird. Gerade ältere Menschen profitieren davon: Sie fühlen sich geborgen, angenommen und verbunden.
Besonders eindrucksvoll zeigte eine Studie mit Pferden, dass sich sogar die Herzrhythmen von Mensch und Tier angleichen können, wenn beide in Kontakt sind – als würden ihre Körper für einen
Moment denselben Takt finden. Und während Hände über weiches Fell streichen, geschieht noch etwas anderes: Erinnerungen sind wieder präsent, Bilder aus Kindheitstagen tauchen auf, vertraute
Szenen, die lange verschüttet waren.

Nach der Begegnung mit den Tieren klingt der Tag in geselliger Runde bei Kaffee oder einem Eis aus. Gespräche entstehen ganz von selbst, und nicht selten ist die Freude noch Tage später spürbar.
So entstehen nicht nur schöne Momente im Hier und Jetzt, sondern auch Brücken zur eigenen Vergangenheit. Die Ausflüge auf den Pferdehof sind deshalb weit mehr als ein Freizeitangebot – sie sind kleine Inseln voller Lebensfreude. Sie zeigen eindrucksvoll, dass es manchmal die einfachen Dinge sind, die großes Glück schenken: ein Tier, das Vertrauen gibt, eine Hand, die streichelt, ein
Lächeln, das zurückkehrt.

Foto / Bericht
Ron Weimann

By CUH