Mönchengladbach
19. Juli 2025
Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Mönchengladbach versammelten sich etwa 15 Neonazis, um gegen die Veranstaltung zu demonstrieren. Die Gruppe zeigte dabei eine auffällige rechtsextreme Symbolik, die für Außenstehende oft schwer zu deuten ist, für Experten jedoch klar auf die Ideologie der Teilnehmenden verweist.
So trugen mehrere Demonstranten Patches in den Farben der Reichskriegsflagge, die in der Neonazi-Szene als Anspielung auf diese und deren Ideologie gelten. Dieses Symbol steht stellvertretend für nationalistische und militaristische Ideologien. Eine Teilnehmerin nutzte ebenso einen Fächer in diesen Farben.
Zwei weitere Teilnehmer trugen T-Shirts der Rechtsrock-Band Stahlgewitter, deren Lieder offen rassistische und antisemitische Inhalte transportieren. Ein weiteres markantes Symbol war das Tattoo einer Schwarzen Sonne auf dem Hals eines Teilnehmers. Die Schwarze Sonne stammt aus der Esoterik der SS und gilt heute als codiertes Erkennungszeichen innerhalb der Neonazi-Szene. Ergänzt wurde das Bild durch das wiederholte Zeigen des sogenannten „White Power“- Handzeichens, das international als Geste für weiße Vorherrschaft verstanden wird.
Ergänzt wurde die Demonstration durch ein Plakat der „Nationalen Jugend Neuwerk“, einer regionalen rechtsextremen Jugendgruppe, die von den Behörden wegen ihrer homophoben und fremdenfeindlichen Aktionen beobachtet wird. Zudem trugen Teilnehmer ein Banner der NPD mit der Aufschrift „Nein zum CSD“ und dem Zusatz „Normal, weiß, hetero“ und verdeutlichte die homophoben und rassistischen Grundhaltungen der Gruppe.
Da unklar war, wie viele Teilnehmer die Neonazis mobilisieren konnten, war das Polizeiaufgebot sehr hoch. Mehrere Hunderschaften der Polizei waren im Einsatz. Letztlich war die Gruppe jedoch so klein, dass die Polizei den Straßenverkehr wieder freigab und die Demonstranten auf den Bürgersteig verwies.
Mit Sicherheitsabstand wurden die Neonazis vor das CSD-Gelände geführt, wo sie von vielen Feiernden mit lautstarken „Nazis raus!“-Rufen empfangen wurden. Die Neonazis entgegneten – trotz ihrer kleinen Gruppe fast schon erstaunlich selbstbewusst – mit dem Slogan „Ganz Deutschland hasst den CSD“.
Der Verfassungsschutz beobachtet seit einiger Zeit eine zunehmende Radikalisierung rechtsextremer Jugendgruppen, die vor allem bei Veranstaltungen wie dem CSD gezielt provokant auftreten. Viele dieser Gruppierungen bestehen aus sehr jungen Mitgliedern, vernetzen sich zunehmend über soziale Medien und zeigen eine steigende Aggressivität – vor allem gegenüber Homosexuellen, Migranten und linke Gruppen. Die Behörden warnen vor einem möglichen Sicherheitsrisiko.
Letzten Endes blieb der Neonazi-Aufmarsch mit seiner menschenverachtenden Symbolik ein erfolgloser Versuch, Aufmerksamkeit zu erregen.
Der CSD selbst dagegen war ein voller Erfolg: bunt, laut und gut besucht – ein starkes Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz in Mönchengladbach.
Foto / Bericht
Ron Weimann
