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Ball und Burger: Zur Fußball-EM spielt sich vor allem hier eine Menge ab – in den Fast-Food-Restaurants im Kreis Heinsberg, so die Gewerkschaft NGG Aachen.
Foto (alle Rechte frei): NGG | Tobias Seifert

NGG: Keiner soll mehr für „Light-Lohn“ Burger grillen

Ball und Burger – beides gehört für viele Fußballfans im Kreis Heinsberg genauso zur Europameisterschaft wie Trillerpfeife und Schiedsrichter. „Schnellrestaurants wie McDonald’s, Burger King & Co. haben jetzt Hochkonjunktur. Zur Fußball-EM brummt das Fast-Food-Geschäft im Kreis Heinsberg. Der ‚Fußballhunger‘ ist enorm – auf Tore genauso wie auf Burger, Pommes oder Pizza in der Halbzeit“, sagt Tim Lösch von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Rein rechnerisch gaben die Menschen im Kreis Heinsberg im vergangenen Jahr rund 97,1 Millionen Euro fürs Essen in der Systemgastronomie aus – von Jung bis Alt im Schnitt 375 Euro pro Kopf. Das geht aus einer NGG-Umsatzberechnung hervor. Durch die Fußball-EM werde der Fast-Food-Hunger aber noch einmal deutlich nach oben gehen, so die NGG Aachen.
Das Spiel auf dem Platz dauere 90 Minuten. Für ein Fast-Food-Menü dagegen brauche kein Fan länger als eine Halbzeitpause, um es zu essen. „In der Zeit verzehrt ein Fan fast den Stundenlohn einer Servicekraft“, sagt Tim Lösch. Denn der liege in der Systemgastronomie bei lediglich 12,61 Euro – und damit nur 20 Cent über dem gesetzlichen Mindestlohn. Die Branche habe jetzt – nach Corona, vor allem aber auch nach der Inflation – einen „enormen Nachholbedarf“ bei den Löhnen.
„Ein ‚Big Mac‘-Menü kostet schon knapp 12 Euro. Wer also fürs Pizzabacken, Burgerbraten oder Geschirrabräumen in der Systemgastronomie an der untersten Lohnkante verdient, müsste fast eine Arbeitsstunde investieren, um selbst überhaupt satt zu werden, wenn er mal zu McDonald’s geht“, so Tim Lösch.
Der Geschäftsführer der NGG Aachen kritisiert die Löhne der Systemgastronomie – von McDonald’s, Burger King und

Kentucky Fried Chicken bis Pizza Hut, Starbucks
und Nordsee: „Was da verdient wird, bringt leider wenig ‚Euro-Kalorien‘. Der Verdienst
in Fast-Food-Restaurants liegt oft im ‚Light-Lohn-Spektrum‘. Einige zahlen sogar nur
den gesetzlichen Mindestlohn von 12,41 Euro pro Stunde. Sie rangieren damit an der
untersten Lohnkante, die überhaupt erlaubt ist“, so Lösch.

Die NGG will sich jetzt für einen „gehörigen Lohn-Nachschlag“ für die Branche stark
machen. Davon sollen dann auch die Beschäftigten der Systemgastronomie im Kreis
Heinsberg profitieren. „Konkret geht es um einen Einstiegslohn von 15 Euro pro
Stunde. Und wer schon Erfahrungen im Job hat, soll im Monat mit 500 Euro zusätzlich
nach Hause gehen. Um diese Fixsumme müssen die Löhne angehoben werden, um in
der Systemgastronomie aus der Niedriglohnfalle herauszukommen“, sagt
Geschäftsführer der NGG Aachen, Tim Lösch.

Auch die Ausbildung bei McDonald’s, Burger King, KFC, L’Osteria, Vapiano & Co. soll
attraktiver werden: Die Gewerkschaft fordert für den Ausbildungsstart eine Vergütung
von 1.150 Euro. Im dritten Ausbildungsjahr sollen Azubis dann mit 1.350 Euro nach
Hause gehen – gut 120 Euro mehr als bislang. Genau zwei Tage nach dem Ende der
Fußball-EM (Hinweis f.d. Red.: Dienstag, 16. Juli) kommen die Gewerkschaft NGG und der
Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) zu ihrer ersten Verhandlungsrunde
über einen neuen Tarifvertrag zusammen.

Quelle: NGG

By CUH