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Und hier ein Rückblick auf die Lesung im Naturparktor statt fand.
Der Autor, ein pensionierter Lehrer aus Essen, war auf Empfehlung der Wassenberger Firma „mein-Theaterverlag“ angereist.

Der Mein-Theaterverlag (Inhaberin Hubertine Lind) versorgt regelmäßig auch den Rurauen Theaterverein Orsbeck-Luchtenberg sowohl personell als auch mit Komödienstoff.

Und hier der Rückblick

Kennen Sie den Elleringhauser Tunnel? Müssen Sie auch nicht, der liegt irgendwo im Hochsauerland bei Brilon, auf der Eisenbahn-Strecke zwischen Aachen und Kassel. Und genau da spielt die Handlung der postfaktischen Krimiparodie von W.J. Gerlach.

Sehr kühl entfaltet in diesem Tunnel der berühmte Detektiv Sèrecule Acheseau, dessen Nachnamen sich wie eine Aneinanderreihung der französischen Präpositionen „à“, „chez“ und „aux“ liest, seine Hypothesen und Theorien, nachdem ihn ein Schrei mitten in der Nacht geweckt hat. Sturmtief Silvia [im Dezember 2012] bildet den bedrohlichen Hintergrund des Geschehens, das die unterschiedlichsten Menschen im frisch eingeweihten Café eines Zuges zusammenführt, der gerade seine Jungfernfahrt macht: eine Baronin namens Brundula von Brause, (da steckt bestimmt Gundula Gause [Co-Moderatorin von Klaus Kleber im „heute journal“ des ZDF] dahinter) einen Mann mit gelber Plastiktüte, einen Typ mit einem Pinguin auf seinem Kimono, einen Tierarzt mit Namen Piepenbrink und so weiter. Lauter schräge Vögel.

Das Opfer ist ein Mann, dessen Name klingt wie „Ritsch-Ratsch-Reißverschluss“, der aber in Wirklichkeit Richard Roger Rutchard heißt. Auf welche Weise hat er den Zug verlassen? Ist er überhaupt tot? Und wer sind seine Mörder?

Es handelt sich um einen Fall, bei dem man nichts als nachdenken muss. Da seit einem Erdrutsch, der den Tunnel hinten und vorne zugeschüttet hat, ein Ausstieg unmöglich ist, muss der Mörder also noch im Zug sein.
Sèrecule Acheseau verhört nun der Reihe nach alle Passagiere, als ersten Mc Clean, den Sekretär des Opfers. Der erzählt, Rutchard habe Amerika verlassen, um angeblich ins sicherere Ausland zu verreisen, denn seit drei Wochen habe er Drohmails erhalten. Immer mehr Details kommen ans Licht, Indizien verdichten sich. Schließlich muss es nach Sérecules kühner Theorie zwei Mörder geben: einen, der das Opfer mit eingeschalteter Taschenlampe an seinem Platz erstach und einen zweiten, der sich anschließend im Dunkeln näherte und, weil er den Zustand der Person nicht erahnte, noch einmal zustach.

Neben Indizien wie Taschenlampe und Messer gibt es noch weitere: Eine Taschenuhr, die durch den Messerstich außer Funktion gesetzt wurde und deshalb die genaue Tatzeit angibt, ein Taschentuch, ein Pfeifenreiniger und verbranntes Papier. Da der listige Detektiv sich weniger für DNA-Spuren als für die „Psychologie“ interessiert, versucht er dem Tätermotiv experimentell auf die Spur zu kommen. Zwei Teesiebe und eine Gebäckzange braucht er, um dem verbrannten Papier mit Hilfe einer weiteren im Waggon auffindbaren Zutat sein Geheimnis zu entlocken: Und siehe da, es ist der Name des Täters. Aber er wäre nicht die postfaktische Parodie auf Hercule Poirot , wenn der Detektiv nicht ganz gründlich seine Arbeit fortsetzte. Und so wird zum Schluss noch ein Diener des Mordopfers befragt. Hatte der Ermordete ein Schlafmittel eingenommen und konnte so bequem liquidiert werden? Hatte er Feinde? Aber kann man dem Diener trauen, der – wie er behauptet – nur liebt, „was lange genug im Backofen war“? Dessen Lieblingsbuch „Larry Dotter & der Jammer des Weckens“ heißt? Acheseau ermittelt unverdrossen weiter: Wo ist der eisblaue Kimono mit dem Pinguin geblieben? Der Typ ist weg, oder hat er sein Bekleidungsstück in einem der Koffer versteckt?

Wem nun der Schädel brummte, dem gab der Autor augenzwinkernd zu verstehen: Es gibt immer zwei Lösungen, eine gute und eine schlechte. Und deshalb gibt es bei diesem Buch, wie bei guten Filmen, sogenannte Outtakes. Die Outtakes verraten, wie sich der Autor mit den Figuren herumgequält und manchmal auch, welche guten Ideen er verworfen hat.

Dies Zutat ist wohl auch das Besondere an Gerlachs Romanen. Natürlich hat der Mord im Sauerland eine Fortsetzung gefunden: Monsieur Acheseau und der Schatz im Sorpesee. Auch davon gab der Autor, den das Spiel mit Namen und Verdrehungen fasziniert, noch eine kurze wortwitzige Kostprobe.

Quelle:
Bücherkiste
Irmgard Stieding

By CUH