Heinsberg / Aachen / Stuttgart,
21. November 2022

Wehrlose Kuh schwer misshandelt: Das Amtsgericht Heinsberg hat heute den Täter verurteilt, der vor zwei Jahren auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Heinsberg eine Kuh gequält hat. Eine Whistleblowerin hatte im Oktober 2020 beobachtet, wie der Mann auf dem Milchbetrieb im nordrhein-westfälischen Heinsberg eine geschwächte Kuh über längere Zeit mit einem Gabelstapler traktierte und auf sie eintrat, um sie zum Aufstehen zu bewegen. Das Tier lag auf dem Boden und kam nicht mehr aus eigener Kraft hoch. Die Augenzeugin wandte sich umgehend mit Videoaufnahmen von der Tat an PETA. Die Tierrechtsorganisation erstattete daraufhin Strafanzeige. Die Organisation forderte eine harte Strafe sowie ein Tierhalte- und betreuungsverbot für den Täter. Nach Ermittlungen beantragte die Staatsanwaltschaft Aachen einen Strafbefehl. Heute erging das Urteil (AZ 22 Cs-605 Js 1151/21-79/22): Der polnische Rentner, der die Kuh gequält hat, wurde zu 60 Tagessätzen à 5 Euro verurteilt. Auch die Verfahrenskosten hat der Mann zu tragen.

„Solche Vorgänge sind Alltag in der industrialisierten Tierproduktion“, so Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter bei PETA. „Tierquälerei ist aber kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat. Dies hat das Amtsgericht Heinsberg heute erfreulicherweise unmissverständlich klargestellt. Wir begrüßen das angemessene Urteil.“

PETA lobt ausdrücklich das von der Staatsanwaltschaft Aachen als sachverständige Behörde zugezogene Kreisveterinäramt Heinsberg, das in diesem Fall klar von erheblicher Tierquälerei sprach. Nicht nur das: Es unterzog den Herdbuchbetrieb einer tierschutzrechtlichen Kontrolle, bei welcher es erhebliche Mängel feststellte: Unter anderem wurde dokumentiert, dass Kälbern über acht Tage kein Raufutter gegeben wurde, einem Kalb im Alter von 14 Tagen kein Wasser zur Verfügung stand, 16 Kälber keine ausreichende Beleuchtung zur Verfügung hatten und ein Tier unter Lahmheit litt. PETA zeichnete das Amt in seinem Veterinäramts-Ranking 2022 als „top“ aus.

Misshandelte Kuh hatte mutmaßlich kurz vor der Tat gekalbt.
Die in Heinsberg misshandelte Kuh könnte vor der Tat ein Junges zur Welt gebracht haben und infolgedessen so erschöpft gewesen sein: Die Aufnahmen zeigen am selben Ort einige Kälber, die einzeln in Kälberboxen gehalten werden, wie es in der Milchindustrie meist üblich ist. Denn damit die Kälber nicht die Milch trinken, die gewinnbringend verkauft werden soll, werden sie in der Regel schon kurz nach dem kalben von ihren Muttertieren getrennt – oft schreien sie noch tagelang nacheinander.

Leid der Kühe in der Milchindustrie
Genau wie menschliche Frauen 9 Monate schwanger sind tragen Kühe in der Regel ebenfalls neun Monate lang ihren Nachwuchs aus. Nach der Geburt ihres Kalbes produzieren Kühe etwa zehn Monate lang Milch in einer Menge, die für den Landwirt wirtschaftlich ist. Damit der Milchfluss konstant hoch und damit profitabel bleibt, werden sie jedes Jahr aufs Neue unter Zwang künstlich besamt. In den sogenannten Kälberboxen bekommen die Jungtiere meist unnatürliche Ersatznahrung: Der männliche Kuhnachwuchs wird meist nach nur wenigen Monaten im Schlachthaus geschlachtet und als Kalbfleisch verkauft oder zur billigeren Mast ins Ausland verlauft, sodass sie qualvolle Transporte über sich ergehen lassen müssen. Weibliche Tiere hingegen werden – genau wie ihre Muttertiere – für die Industrie ausgebeutet. Sobald ihre Körper ausgezehrt sind und ihre „Milchleistung“ nach etwa fünf Jahren nachlässt, werden auch sie – oft mit unzureichender Betäubung – geschlachtet. Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei rund 20 Jahren.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass wir sie essen oder in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Weitere Informationen
PETA.de/Neuigkeiten/Kuh-Gabelstapler

Quelle: Peta Deutschland
Foto: Ron Weimann

By CUH