„Zeitreise II“: Fortsetzung des Einführungsfilms zur Dauerausstellung hat am 25. September Premiere

Vor rund einem Jahr, am 17. September 2021, wurde das neue Dokumentationszentrum Glanzstoff im Industriepark Oberbruch in Heinsberg eröffnet. Ein Highlight für die Besucher*innen war von Anfang an die eigens entwickelte ‚Zeitreise‘, der Einführungsfilm zur Dauerausstellung, der die historischen Hintergründe im 20. Jahrhundert und ihren Einfluss auf die Firmengeschichte schildert. Ein Jahr später wurde jetzt der zweite Teil der Zeitreise fertiggestellt, der sich auf die Wirtschaftsgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf die Glanzstoff-Fabriken konzentriert. Ab dem 25. September können sich die Besucher*innen nun auch anschaulich über die (inter)nationalen und regionalen wirtschaftlichen Entwicklungen informieren lassen. An diesem Tag sowie noch am 2. Oktober hat die Fortsetzung im Dokumentationszentrum Premiere und werden beide Filme im Wechsel gezeigt.

„Glanzstoff ist repräsentativ für die wirtschaftlichen Entwicklungen der Zeit, das macht unsere Zeitreisen zu einer wertvollen Informationsquelle für das Publikum“, so der Vorsitzende des Trägervereins Förderverein Industriepark Oberbruch e. V., Jakob Wöllenweber. „Das Dokumentationszentrum wird gern von Gruppen, Firmen und Vereinen besucht. Vor allem Schulgruppen lernen über die Schilderung der Entwicklung der stets mit der Zeit gegangenen Glanzstoff-Fabriken, wie Wirtschaft generell funktioniert. Bei etlichen wird das Interesse dadurch gesteigert, dass ein Familienmitglied bei Glanzstoff beschäftigt war. Für viele sind unsere zwei Zeitreisen also auch ein Einblick in die berufliche Vergangenheit von Vater, Großmutter oder sogar Urgroßvater!“

Einzigartige Erfindungen, internationale Krisen

Glanzstoff war von Beginn an ein sehr fortschrittliches Unternehmen, in dem viele Frauen arbeiteten und auf das Wohl der Beschäftigten geachtet wurde. Doch der geballte Erfindergeist und Einsatz der Mitarbeitenden wurde oft genug von Krisen ausgebremst. Zeigt der erste Teil der Zeitreise vor allem, wie die Glanzstoff-Fabriken auf politische Katastrophen wie die Weltkriege reagieren mussten, konzentriert sich der zweite Teil auf die wirtschaftlichen Entwicklungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wer die aktuellen Schlagzeilen verfolgt, bemerkt beim Anschauen schnell, wie sich die Schlüsselwörter wiederholen: Ölkrise, Erdgas, Globalisierung des Weltmarktes, Verlagerung der Textilindustrie in den asiatischen Raum, Streiks, Arbeitsplatzsicherung, Teuerung – all diese Themen haben schon häufiger die Nachrichten dominiert.

„Doch immer haben die Menschen Antworten auf die Probleme gefunden. Das ist eine Erkenntnis, die vor allem unser jüngeres Publikum motivieren kann“, betont Jakob Wöllenweber. „Und auch jetzt ist die fast 125-jährige Firmengeschichte noch nicht beendet, wie man an der Weiterentwicklung des heutigen Industrieparks mit seinen innovativen Firmen sieht.“

Wandel der Produkte

Die bei Glanzstoff hergestellten Produkte wandelten sich mit der Nachfrage. Dr. Max Fremery und Johann Urban begannen im Jahr 1891 in Oberbruch mit der Herstellung von Glühfäden und Glühlampen und erfanden in Oberbruch die deutsche Kupferkunstseide. Auf dieser Erfindung basiert die Gründung der „Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG“ im Jahre 1899. Sie entwickelte sich zu einem der international bedeutendsten Unternehmen der Kunstfaserindustrie. In Oberbruch leistete man mit der Produktion von Chemiefasern bahnbrechende Pionierarbeit im Aufbau dieser Branche. Das Unternehmen beschäftigte auf seinem Höhepunkt dort über 7.000 Menschen und war einer der wichtigsten industriellen Arbeit- und Impulsgeber in der gesamten Region. Der gesamte Konzern machte in den 1970er Jahren mit 29.000 Mitarbeitern*innen einen Umsatz von umgerechnet ca. einer Milliarde Euro und war weltweiter Marktführer bei der Herstellung von Chemiefasern und deren Folgeprodukten. Die bei Glanzstoff neu entwickelten und industriell gefertigten Produkte wie Kupferseide (1899), Rayon (1911), Perlon (1950) und Diolen (1958) veränderten und prägten durch Vielfalt, Qualität und günstige Preise besonders die Damenmode des 20. Jahrhunderts nachhaltig. In den 1970er Jahren war Stahlkord für die Herstellung von Reifen ein wichtiges Produkt, dann folgte in den 80er Jahren die Kohlenstofffaser als wichtiges Material im Flugzeugbau, für Windkraftanlagen und für Sportgeräte. Der neue Film Zeitreise II zeigt kompakt, wie Glanzstoff viele Phasen der Wirtschaftsgeschichte durchlebte, die Produktpalette stetig durch die Anforderungen der Wirtschaft veränderte und wie dann einzelne Geschäftsbereiche von großen, namhaften und teilweise heute noch bestehenden Unternehmen übernommen wurden, beispielsweise von Enka, Cordenka und AKZO.

Dokumentationszentrum Glanzstoff

Anhand von Zeugnissen der firmeneigenen Sammlung wird im Dokumentationszentrum die wechselvolle Geschichte des Unternehmens sowie die industrielle und gesellschaftliche Entwicklung des Kreises Heinsberg veranschaulicht. Das Beispiel der Glanzstoff-Fabriken ist repräsentativ für den durch Industrialisierung herbeigeführten Strukturwandel einer ländlichen Region sowie den Einfluss der Zeitläufe und der Globalisierung auf ein Unternehmen. Das Dokumentationszentrum Glanzstoff ist das einzige in Deutschland und das erste im Kreis Heinsberg, das sich mit der Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Region befasst.

Eintrittspreise

Erwachsene: 4 €, Ermäßigt: 2 €; freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahren; Führungen und Kosten für Gruppen nach Vereinbarung;

Die Eintrittskarte vom BEGAS HAUS ist 2 Wochen lang auch als einmalige Eintrittskarte für das Dokumentationszentrum Glanzstoff gültig.

Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag: 14 – 17 Uhr, Montag: geschlossen
Feiertage: gesonderte Öffnungszeiten, siehe www.glanzstoff-doku.de

Adresse:
Dokumentationszentrum Glanzstoff
Boos-Fremery-Straße 62, Tor 1, 52525 Heinsberg
T: +49 (0) 24 52 – 98 98 69 6, E-Mail: info@glanzstoff-doku.de

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