Rath Anhoven

Immer wieder überraschend ist es wenn auf dem „Dorf“ die Diskussion über „krähende Hähne“ entfacht wird. In diesem Fall besuchten wir das Tier Refugium in Wegberg – Rath Anhoven, ein Verein der im Jahr 2012 gegründet wurde und neben einem Gnadenhof für Tiere aus schlechter Haltung auch Fundtiere aufnimmt und eine Wildvogelhilfe, eine Wildtierhilfe und eine Igelhilfe betreibt – die in der Vergangenheit auch immer wieder Tiere von Polizei oder  Ordnungsamt entgegengenommen hat. Aber auch Tierfreunde, Tierärzte, Tierheime, das Veterinäramt und die untere Naturschutzbehörde hatten im Notfall vom der Tätigkeit dieses Vereines Gebrauch gemacht wenn es darum ging Tiere unterzubringen. Allerdings standen auch schon Tiere in Kartons vor der Tür oder wurden einfach über den Zaun geworfen. Seit 2008 werden auf dem Gelände des Vereines Hühner und Hähne gehalten, so wie auf einigen anderen Grundstücken in der unmittelbaren Nachbarschaft auch.

In allen Fällen wurde  immer eine rasche Vermittlung angestrebt, da die nachrückenden Notfälle nur dann aufgenommen werden können, wenn Kapazitäten frei werden – das erklärte uns Antonia Greco bei dem Rundgang durch das Tier Refugium. Aus gesundheitlichen Gründen müssen sich die Betreiber nun stark einschränken und nehmen  seit 2020 keine Hähne mehr auf. Die Zahl der Hähne ist von 15 (der Höchststand im Jahr 2017) seit 2018 auf 8 reduziert worden und die vorhandenen Hähne sollen nun an Tierhalter vermittelt werden. Aus diesem Grund arbeitet man beim Tier Refugium eng mit der Hühnerrettung NRW zusammen, die einen Teil der Hähne auf die Warteliste gesetzt hat. Allerdings dauert auch das Vermitteln der Tiere einige Zeit.

Nun kommt es im Ort, ganz besonders im Umfeld des Tier Refugiums zu Problemen mit der Tierhaltung auf dem Gelände. Die direkten Nachbarn fühlen sich nicht beeinträchtigt, deren Aussage „man lebe ja auch auf dem Land“. Wenn nicht auf dem Land, wo soll man sonst Hühner halten dürfen?

 

Verwundert war man in der Auffangstation als im Spätsommer 2021 das Ordnungsamt abends vor der Haustür stand und mitteilte, daß gegen die Familie und den Hof eine Lärmbeschwerde wegen krähender Hähne vorliegt und das Tier Refugium nun für Abhilfe sorgen soll. Eine Tötung der Tiere ist mit dem Gedanken des Tierschutzes nicht zu vereinbaren.

Einige Zeit später erreichte das Tier Refugium ein Anwaltsschreiben mit angehängtem Lärmprotokoll über mehrere Tage und jeweils über 24 Stunden..

Es reichte nicht, daß einem gemeinnützigen Verein, der sich gerade in der Zeit des Artensterbens für Wildtiere und Wildvögel engagiert nun Anwaltsgebühren, Ärger und Zeit beschert- das Ordnungsamt Wegberg bekam auch Post vom Anwalt, hier wird eine Durchsetzung der Interessen des Klienten einfordert. Das Ordnungsamt holte daraufhin das Bauamt ins Boot um zu prüfen, ob die Tierbehausungen den Vorschriften entsprechen.

Am vergangenen Freitag fand nun eine Begehung des Geländes durch das Bauamt der Stadt Wegberg statt. Hier wurde nach Angaben der Mitarbeiter zunächst eine Bestandsaufnahme durchgeführt um erkennen zu können in welchem Rahmen man sich bewege. Vorausgegangen waren anonyme Beschwerden beim zuständigen Ordnungsamt die in dem oben genannten Anwaltsschreiben mündeten.

Auf das Ergebnis der Begehung ist man nun im Tier Refugium Wegberg gespannt. Ziel der Betreiber ist es das Angebot des Gnadenhofes herunter zu fahren und den Gnadenhof im Anschluss aufzulösen. Allerdings wird eine Vermittlung der Tiere auf dem Gelände dadurch nicht beschleunigt – alternative Unterbringungsplätze sich rar und nicht einfach zu finden. Interessierte Menschen, die noch einen Hahn haben möchten dürfen sich im Tier Refugium Rath Anhoven gerne melden.

Wir werden zu gegebener Zeit weiter berichten.

Foto: Ron Weimann

 

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