Erkelenz

Das Bündnis “Alle Dörfer  bleiben” bewertet die
Kohleausstiegspläne der Ampelkoalition trotz der unzulänglichen
Klimaschutzmaßnahmen als bedeutenden Etappensieg des Widerstands gegen
Kohleabbau. Der Plan, noch bis 2030 weiter Kohle abzubaggern und das
Schicksal des akut bedrohten Dorfes Lützerath den Gerichten zu
überlassen, stößt bei den Bewohner*innen auf massives Unverständnis.
Gleichzeitig feiert das Bündnis den Erhalt von fünf Dörfern am Tagebau
Garzweiler II als starken Erfolg ihrer jahrzehntelangen Proteste.

Im ausgehandelten Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP heißt es:
„Die im dritten Umsiedlungsabschnitt betroffenen Dörfer im Rheinischen
Revier wollen wir erhalten. Über Lützerath werden die Gerichte
entscheiden.“ Im dritten Umsiedlungsabschnitt des Tagebau Garzweiler II
befinden sich die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Unterwestrich, Oberwestrich
und Berverath.

„Einerseits empfinde ich riesige Erleichterung und Freude über die
Rettung unseres Zuhauses, andererseits bin ich schockiert, dass
Lützerath weiter für klimaschädliche Braunkohle abgebaggert werden
soll“, sagt Waltraud Kieferndorf aus Kuckum von der Solidargemeinschaft
Menschenrecht vor Bergrecht.

Alexandra Brüne vom Bündnis Alle Dörfer Bleiben ergänzt: „Die
Ampel-Koalition ist weiterhin bereit, unser Nachbardorf Lützerath im
Tagebau zu begraben und dafür Eckardt Heukamp zu enteignen. Doch mit der
Zerstörung von Lützerath ist die 1,5°-Grenze nicht einzuhalten. Darum
gehen unsere Proteste weiter. Fünf Dörfer haben wir gerettet, und den
Kampf um Lützerath werden wir auch gewinnen!“

Eckardt Heukamp, der letzte Landwirt des kleinen Dorfes Lützerath, wehrt
sich derzeit vor dem Oberverwaltungsgericht Münster gegen seine
vorzeitige Enteignung durch den Kohlekonzern RWE. Das Dorf selbst ist
zudem zurzeit von etwa 100 Aktivist*innen bewohnt, Ende Oktober kamen zu
einer Demonstration für den Erhalt des Ortes 5000 Menschen. Die
Klimagerechtigkeitsbewegung zeigt sich weiterhin entschlossen, Lützerath
vor der Zerstörung zu bewahren, falls RWE mit Abrissarbeiten beginnen
sollte. Die Bagger des Kohlekonzerns sind aktuell nur noch 200 Meter vom
Dorf entfernt.

Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung
(DIW) kommt zu dem Ergebnis, dass der Tagebau Garzweiler II vor
Lützerath enden muss, damit Deutschland die 1,5°-Grenze einhalten kann.
Es verbleibe lediglich eine Restmenge von maximal 70 Millionen Tonnen
Braunkohle im Tagebau, die innerhalb des deutschen Klima-Budgets noch
verstromt werden kann.

Quelle:
Alle Dörfer bleiben

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