Der VSR-Gewässerschutz fordert mehr Unterstützung für Ökolandbau

Der VSR-Gewässerschutz musste leider wieder Bürgern mitteilen, dass ihr Brunnenwas- ser zu viel Nitrat enthält. Viele Menschen kamen in der Hoffnung, nicht von den Nitratbe- lastungen betroffen zu sein, am 06. Juli an den Informationsstand in Erkelenz. Etwa jeder neunte Brunnenbesitzer wurde enttäuscht und musste erfahren, dass der Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen über- schritten ist. Insgesamt wurde das Wasser von 16 privat genutzten Brunnen aus dem Raum Erkelenz – Wegberg analysiert. Ein Grund für die hohen Belastungen ist die Zu- nahme der intensiven Landwirtschaft. Diese wollen viele Bürger inzwischen nicht mehr un- terstützen und kaufen mehr Bio-Lebensmittel. Doch leider finden sie diese viel zu selten aus regionalem Anbau. Dabei trägt die ökologische Landwirtschaft nachweislich zur Ver- ringerung der Nitratbelastung bei und verbessert die Qualität des Grundwassers deutlich. Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass der Bauernverband die Betriebe bei der Umstel- lung auf eine ökologische Landwirtschaft unterstützt und so zu einer gewässerschonen- den Bewirtschaftung der Ackerflächen beiträgt.
Den höchsten Nitratwert haben die Umweltschützer mit 97 mg/l in Lentholt festgestellt. Weitere stark belastete Brunnen fanden die Umweltschützer in Schwanenberg mit 82 Milligramm pro Liter (mg/l) und in Golkrat mit 93 mg/l. Am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung zeigten sich viele Brunnenbesitzer wütend über die hohen Nitratwerte der Region. Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Ihnen wurde durch ihr eigenes Ergebnis klar, wie stark das Grundwasser in ihrer Region bereits belastet ist und möchten eine Änderung. Auf einer interaktiven Nitratkarte veranschaulicht der VSR-Gewässerschutz wie
stark die Nitratbelastung im Kreis Heinsberg mit anderen Regionen in Deutschland im Vergleich ausfällt. (www.vsr-gewässerschutz.de/nitratbelastung). Gerade in Gebieten mit intensiv bewirtschafteten Ackerflächen ist eine hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat nachzuweisen. Dagegen stellt die gemeinnützige Umweltschutzorganisation in Gegenden mit ökologisch bewirtschafteten Flächen geringere Nitratbelastungen im Grundwasser fest.

Der Bauernverband drängte viele Landwirte zu hohen Erträgen auf den Ackerflächen und immer größeren Massentierhaltungen, was zu einer Überdüngung der Felder führte. Das muss sich dringend ändern. „Es kann nicht das Ziel der Landwirtschaftsverbände sein an den bisherigen Praktiken festzuhalten und hauptsächlich Lebensmittel in einer intensiven Landwirtschaft mit viel Dünger und Pestiziden zu produzieren. Diese Lebensmittel sind dann hauptsächlich für den Weltmarkt bestimmt, wo die Preise immer weiter sinken. Die von vielen Bürgern bevorzugten Bio-Produkte müssen dagegen importiert werden“, so Su- sanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.
Dabei hat die Landwirtschaft ein großes Potenzial, die produzierten Bio-Lebensmittel aus der Region selbst zu vermarkten. Für den Öko-Landbau bietet sich dadurch eine große Perspektive. So hat NRW bereits einige Projekte ins Leben gerufen, die Verpflegung in Kantinen und Mensen auf Bio-Produkte umzustellen. Gerichte mit Biolebensmittel, bei de- nen zum Teil sogar bekannt ist von welchem Hof sie kommen, stehen hoch im Kurs. Eine Direktvermarktung der ökologisch produzierten Lebensmittel lohnt sich für alle Beteiligten: Die Produkte haben kurze Transportwege und kommen frisch geerntet mit bester Qualität und ohne Verpackung in die Großküchen. Der Landwirt erhält einen fairen Preis, ist nicht abhängig von Zwischenhändlern und kann so den Fortbestand seines Betriebes sichern. Schlussendlich ist der größte Gewinner jedoch die Umwelt: Durch die schonende Bearbei- tung der Ackerflächen werden Boden, Klima und Gewässer geschützt.

Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Artenvielfalt wieder zunehmen kann. Und das ist vielen Bürgern auch wichtig, wie die Gespräche am Informationsstand des La- bormobils gezeigt haben. Die intensive Landwirtschaft belastet das Grundwasser zu stark mit Nitrat. Dieses sickert den Bächen und Flüssen zu, wo es zu einem erhöhten Algen-
wachstum kommt. Der Lebensraum vieler bedrohter Arten wird dadurch zerstört. Das möchte der VSR-Gewässerschutz ändern. Seit 40 Jahren engagieren sich die Mitglieder des VSR-Gewässerschutz für das Leben am und im Wasser. Mit ihrer Arbeit setzen sie sich für den Schutz der Gewässer ein und treiben mit ihren Messkampagnen umweltpoliti- sche Maßnahmen voran. „Gartenbesitzer, die beim VSR-Gewässerschutz ihr Brunnen- wasser untersuchen lassen, helfen Belastungen aufzudecken“, bedankt sich Susanne Ba- reiß-Gülzow bei allen Besuchern des Infostandes am Labormobil.

Quelle:
VSR Gewässerschutz