Belgischer Richter hält Tihange 2 für „nicht unsicher“

Tihange / Belgien

Ein Kernreaktor im belgischen Tihange, mit zahlreichen Rissen muss nicht vorzeitig geschlossen werden. Das berichtet der Regionale Omroep L1 auf ihrer Webseite. Der belgische Richter ist nicht davon überzeugt, dass die Anlage unsicher ist, wie die Nachbargemeinde Maastricht und andere Behörden und Aktionsgruppen feststellten, sagt eine Sprecher dieser Aktionsgruppen. Aktionen gegen den Reaktor laufen bereits seit vielen Jahren, bislang jedoch ohne Erfolg.

Der Alterungsreaktor ist in Belgien, den Niederlanden und Deutschland seit langem ein wichtiges Anliegen. Die Reaktorwand von ‚Tihange 2‘ weist seit Jahren Tausende von Haarrissen im Reaktorbehälter auf und das Kraftwerk wird regelmäßig stillgelegt. Wenn mit dem Reaktor etwas schief geht, Radioaktivität austritt oder es zum größten anzunehmenden Unfall (GAU) kommen sollte, sind die Einwohner von Maastricht und fünf Millionen andere Menschen in einem Umkreis von 75 Kilometern gefährdet, unter anderem die Städteregion Aachen und der Kreis Düren. Auswirkungen dürften sich auch bis in den Kreis Heinsberg und der niederländischen Nachbargemeinde Roerdalen bemerkbar machen. Sollte dieser GAU unbeherrschbar werden sind die Folgen daraus überhaupt nicht abzusehen. Allerdings gibt es offiziell bisher „nur“ fünf dieser Kernschmelzen weltweit. Im Januar 1969 kam es zum Super Gau in einem Versuchslabor bei Lucens in der Schweiz. Radioaktivität trag aus – blieb aber in dem unterirdischen Stollen in des sich das Kraftwerk befand. Rund acht Jahre später kam es in der Slowakei zum Unfall. Das Kraftwerk Bohunice war betroffen. Im Jahr 1979 traf es das US Atomkraftwerk Three Mile Island in der Nähe von Harrisburg und im Jahr darauf – 1980 – dann den französischen Meiler Saint-Laurent. In all diesen Fällen war der Reaktordruckbehälter intakt geblieben. Das war im April 1986 bei Tschernobyl, dem bisher größten Nuklearunfall in der Geschichte anders.

Nun wird Tihange 2 sowieso Anfang Februar 2023 schließen, aber das geht besorgten Menschen nicht schnell genug, unter anderem Leo Tubbax von der Aktionsgruppe Nucléaire Stop Nuclear Energy. Wenn das erstinstanzliche Gericht in Brüssel am Donnerstag zugunsten der Kläger entschieden hätte, hätte der zweite belgische „Rissreaktor“, Doel 3 bei Antwerpen, wahrscheinlich früher geschlossen werden müssen.

Der belgische Staat, der Betreiber Electrabel und die Regulierungsbehörde FANC haben im Einklang immer auf die Meinung von Experten hingewiesen: Die Kraftwerke sind sicher ! Das belgische Gericht stimmte dem nun zu. Nun will man in Maastricht zusammen mit anderen Klägern beraten ob man noch Berufung einlegen wird. Aber das braucht wieder Zeit, sagt Tubbax.

CUH