Kreishandwerkerschaft Heinsberg: „Handwerk hat Tradition und braucht eine Zukunft.“

Die außergewöhnlichen Maßnahmen und ungewöhnlichen Umstände der vergangenen Monate haben sich längst in Deutschland bemerkbar gemacht. „Corona hat uns kalt erwischt“, berichtete Dr. Michael Vondenhoff von der Kreishandwerkerschaft Heinsberg im Dialog mit Stefan Lenzen, dem Heinsberger Landtagsabgeordneten der Freien Demokraten.

Im Dialog sollte die aktuelle Situation der Handwerkerschaft im Kreis Heinsberg erörtert und analysiert werden, unter anderem in Hinblick auf die kommenden Monate und langfristige Zukunft des Handwerks. Zu Beginn der ergriffenen Hygienemaßnahmen sei es eine Umstellung gewesen und insbesondere die Beschaffung von Masken für die Ausbildung sei eine Herausforderung gewesen, auf die man „schnell reagiert hätte. Neben Glaswänden und Desinfektionsplänen wurden die überbetrieblichen Lehrgänge zeitweise auch ausgesetzt, die Kurzarbeit wurde auf 100 Prozent des Nettolohns aufgestockt. „Wir haben uns gefragt, was uns unsere Mitarbeiter wert sind“, sagte Dr. Vondenhoff.

Stefan Lenzen lobte diesen Schritt. „Das spricht für die soziale Verantwortung, die der Mittelstand übernommen hat“, stellte er anerkennend fest, „Die Mittelständler werden ihrer Verantwortung tagtäglich gerecht. Gerade in einer solchen Krise zeigen sich die Stärken unseres Mittelstandes und unseres Handwerks – eben auch im Verhalten gegenüber den Mitarbeitern zeigt sich die Wertschätzung, die das Handwerk ebenso verdient.“ „Das hat bei uns Tradition“, fügte Dr. Vondenhoff hinzu. Vor allem Familienbetriebe versuchen ihre Mitarbeiter zu halten.

„Handwerk hat Tradition und braucht eine Zukunft. Gerade jetzt sollten wir aufs Handwerk setzen“, stellte Lenzen klar. Vor allem in puncto Soforthilfen müsse die finanzielle Unterstützung für Kleinstbetriebe und Soloselbständige auch abrufbar und z. B. anteilig für die Lebenshaltungskosten einsetzbar sein. Das würde gerade dem Friseurhandwerk helfen. Andere derzeit greifende Hilfen hätten das Handwerk bereits gut unterstützt. Doch Dr. Vondenhoff machte darauf aufmerksam, dass Betriebe sich mit den angebotenen Mitteln vor einer drohenden Insolvenz auch nicht mehr retten können. Nichtsdestotrotz begrüßte Dr. Vondenhoff die Hilfen des Landes und insbesondere die Übernahme von Auszubildenden insolventer Betriebe erwies sich als sehr nützlich für das Handwerk.

Denn die Zahlen der Bewerberinnen und Bewerber sowie die der beruflichen Ausbildungsstellen fielen im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer aus. Die Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit zählte im Juli 2020 nur noch 106.983 Bewerberinnen und Bewerber, im Vorjahr waren es noch 119.955 Bewerberinnen und Bewerber. Die Zahl der beruflichen Ausbildungsstellen betrug im Juli dieses Jahres noch 103.329 und ein Jahr zuvor waren es noch über 9.000 Stellen mehr.

„Besonders getroffen hat es die Friseure und das Lebensmittelhandwerk“, sagte Dr. Vondenhoff. Um Betriebe bestmöglich zu unterstützen, strebt die Landesregierung seit 2017 einen Neustart in der Wirtschaftspolitik und damit einhergehend eine Befreiung von Bürokratie unter dem Leitbild eines unkomplizierten Staates an. In den ersten Schritten wurde zum Beispiel die Hygieneampel abgeschafft und das Vergaberecht vereinfacht und es wurden weitere Schritte unternommen, um Existenzgründern den Weg zu ebnen. Analog dazu setzte sich die Landtagsfraktion der FDP dafür ein, dass die Investitionsmittel für Ausbildungsstätten auf acht Millionen Euro vervierfacht wurden und der Handwerksförderung zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt wurden.

„Wir sollten die Betriebe einfach machen lassen“, merkt Lenzen in Bezug auf die bürokratische Entlastung mittelständischer Unternehmen an. Gerade der Abbau von Bürokratie sei eine Sache, die man immer machen kann, die den Staat kein Geld kostet und allen Beteiligten hilft. Lenzen forderte eine Entlastung der Mitte durch die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlages sowie einer Absenkung der sogenannten kalten Progression. „Der Spitzensteuersatz greift einfach viel zu früh und trifft den selbständigen Handwerkmeister sowie Facharbeiter gleichermaßen“, so Lenzen.

Doch trotz der schwierigen Lage zeigen sich Dr. Vondenhoff und Lenzen recht zuversichtlich über die aktuelle Situation. Lediglich die ungewisse Zukunft mache ihm Sorgen, sagte Dr. Vondenhoff in seiner Bilanz, „denn Corona ist an den Heinsberger Handwerksbetrieben noch vorbeigegangen, die Betonung liegt auf noch.“

Quelle:
Kreishandwerkerschaft Heinsberg