Wegberg Dalheim: Droht der Mutter-Kind-Klinik Haus Waldquelle nach 90 Jahren das Aus ?

Wegberg Dalheim

Der Mutter-Kind-Klinik „Haus Waldquelle“  droht das „AUS“.  Während der letzten Wochen wurde die Geschäftsführung von Haus Waldquelle vom Gesundheitsminister Karl-Josef Laumanns aufgefordert keine neuen Patienten aufzunehmen. Stattdessen sollten Plätze zur Entlastung der Krankenhäuser geschaffen werden. Der Geschäftsführer Marcus Bierei hat Kurzarbeit beantragt. Einnahmen von rund 240.000 Euro fehlen – Gehälter müssen dennoch voll gezahlt werden. Allein 60.000 Euro verursacht die Einrichtung im Monat – auch ohne die Belegung. Bis zum Anfang der Corona Krise war die Nachfrage in der Dalheimer Einrichtung sehr hoch. Haus WaldQuelle war ausgebucht.

 

Nun nach mehr als 90 Jahren steht der Mutter-Kind-Klinik zum zweiten Male vor dem Aus.  Im Jahre 1929 wurden erstmals Einladungen zum heutigen Haus Waldquelle verschickt. Damals vom Jugend und Müttererholungsheim der Evangelischen Jugend- und Wohlfahrtsamtes Mönchengladbach. Pfarrer Jarcke brachte damals den Gedanken in die Gemeinde und die Frauenhilfskreise nahmen diesen Gedanken auf … bis vor Corona sehr erfolgreich. Damals brachte ein Bazar den Grundstock für die neue Arbeit. Mittels Verkauf von Bausteinen, Durchführung von Konzerten, Kirchenkollekten, Spenden und Darlehn konnte das ganz schlichte Fachwerkhaus Böhmer gekauft werden – die angrenzenden Waldparzellen wurden später hinzugekauft. Die Jugend unterstützte dann beim Bau von Spazierwegen durch das teilweise unwegsame Gelände des Dalheimer Waldes. Nach dem Ausbau der Veranda und der Küche waren es wieder Jugendgruppen die unter Anleitung viele Arbeiten ausführten bis dann am 5. Oktober 1929 das Haus Waldquelle seiner Bestimmung übergeben wurde und den Betrieb aufnahm. Schnell war das bestehende Anwesen zu klein und unwirtschaftlich. So konnte „Haus Friede“ dazu gekauft werden. Als die Häuser dann endlich von Grund auf renoviert waren – stand Haus WaldQuelle vor seinem ersten Aus. Der zweite Weltkrieg machte die Mütterarbeit unmöglich – die Häuser wurden zu allen möglichen Zwecken gebraucht.  Damit die Gebäude nicht auch noch beschlagnahmt werden konnten musste man vermieten. Verpflegungsschwierigkeiten machten ebenfalls Probleme.  Nach Räumung und Plünderung durch streunende Fremdarbeiter wurden die Häuser der Einrichtung dann zwangsbelegt. Ortsvertriebene und Evakuierte fanden hier ein Dach über dem Kopf bis die britische Armee den Tagesraum und die Küche für die Jugendarbeit frei gab.

Erst im Jahr 1948 wurde dann mit der Müttererholungsarbeit wieder begonnen. Der Kreisverband der evangelischen Frauen in Mönchengladbach nahm sich unter Führung von Pastorin Dümen tatkräftig den Wiederaufbauarbeiten an. 1952 wurde Haus WaldQuelle dann dem deutschen Müttergenesungswerk angeschlossen. Pfarrer Jarcke übergab im Jahr 1958 – idealerweise an Muttertag – nach 30jährigem Vorsitz sein Amt an Pastor Fernau. Geleitet wurde die Einrichtung seinerzeit von Schwester Leni Schröder, die für die Mütterarbeit zuständig war und an Schwester Erna Igel, zuständig Haus und Küche. Viel Arbeit lag vor den Mitarbeitern die das Haus weiter wachsen ließen. Weitere Waldparzellen wurden dem Verein geschenkt – andere wurden hinzu gekauft.  Nachdem Pfarrer Jarcke und Pastor Fernau im Jahre 1968 verstarben übernahm Diakon Berndt das Haus. 1970 ließ Liege – und Turnhalle bauen, 1974 entstand der Bungalow der dafür Sorge trug die Bettenanzahl weiter erhöhen zu können.

 

Nun kämpft man im Haus Waldquelle erneut um das Überleben der Einrichtung. Marcus Bierei hofft, das Kurkliniken wie sein Haus doch noch unter einen Rettungsschirm genommen und durch Zuschüsse gerettet werden kann. Immerhin haben in den vergangenen Jahren viele Frauen, denen häusliche Gewalt angetan wurde, hier Hilfe und Unterstützung bekommen. Die Zahl der häuslichen Gewalttaten steigt in der jetzigen Krise um ein vielfaches – Hilfseinrichtungen wie Haus Waldquelle dürften somit nach „Corona“ gefragt wie noch nie sein. Auch aus anderen Kurkliniken hört man die Hilferufe in Richtung der Politik und des Gesundheitswesens – eine Online Petition wurde gestartet die im Netz unter COCID-19-Krankenhaus-Entlastungsgesetz zu Gunsten Mutter-Vater-Kind Kurkliniken ändern zu finden ist – hier unser Link zur Petition:  https://www.openpetition.de/petition/online/covid-19-krankenhaus-entlastungsgesetz-zu-gunsten-mutter-vater-kind-kurkliniken-aendern

 

 

Weitere Informationen zum Haus Waldquelle, zur medizinischen Vorsorge und Rehabilitation für Mütter mit Kindern gibt es auch im Internet unter www.HausWaldQuelle.de oder auch bei Facebook und Instagram

 

Video / Bericht:
Uwe Heldens / westreporter